Pope auf dem Markt von Rethymnon
Walter Ludin

Meine katholisch-orthodoxe Ökumene

Ich staunte nicht schlecht. Als ich in der in Rethymnon ein Busbillet kaufte, sah ich neben der Dame am Schalter eine kleine Statue von Papst Franziskus – neben einer Ikone. Und dies in einer Stadt, in der es etwa 20 katholische Gläubige gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist also äusserst gross, dass eine orthodoxe Person das kleine Standbild aufgestellt hat. Wohl als Anerkennung für das, was der Papst für die Flüchtlinge tut …

Diese Episode nehme ich zum Anlass, etwas über die katholisch-orthodoxen Beziehungen auf Kreta zu erzählen, wie ich sie als Tourist und Touristenseelsorger (seit 1984!) erlebe.

Ein Höhepunkt: Der orthodoxe Bischof der Hauptstadt Iraklion lud Petros, meinen Kapuzinermitbruder und Pfarrer der Insel, jeweils am Fest des Titus zur Vesper ein. Bekanntlich setzte Paulus Titus als Bischof der Insel ein. Sein Haupt ist in einer Kirche, die sich nahe beim ehemaligen Kloster unseres Ordens befindet. Petros lud mich ein, ihn zu begleiten. So konnten wir den Bischof während der Feier des Hochfestes flankieren. Auch da staunte ich: Der Bischof stimmte einen Psalm an, unterhielt sich recht laut mit den Gläubigen, die ihm die Hände küssten – und stimmte den nächsten Psalm an.

Szenenwechsel: In Chania hatten die Kapuziner ein leerstehendes Haus. Sie beschlossen, es Mutter-Teresa-Schwestern zu übergeben, damit sie dort Sozialhilfe leisten konnten. Der dortige orthodoxe Bischof war nicht begeistert. Er konnte nichts dagegen tun, dass die Katholiken von den Schwestern betreut wurden, aber nicht Orthodoxen. Ich stellte es mir vor: Die Schwestern bringen einer armen Mischehen-Familie Lebensmittel: «Für die katholische Mutter. Aber der orthodoxe Vater darf ja nichts davon essen ….»

Ich hörte, dass vor Jahren einige katholische Bischöfe in der orthodoxen Akademie Kolimbari tagten und die Stadt Chania in ihrem Ornat besuchten. Sämtliche Zeitungen der Insel titelten. «Die Franken kommen.» (Bezeichnung für die Westlichen/vor allem auch für die Teilnehmer der Kreuzzüge ….).

Noch Persönliches: Mehrmals habe ich mich in einer orthodoxen Kirche nach den Gottesdienstzeiten erkundigt. Immer verstanden die Sakristane kein Englisch und auch nicht mein dürftiges Griechisch. Im Klartext: «Kommt bitte nicht in unsere Gottesdienste.»

Zum Schluss etwas Amüsantes, sozusagen über meine Ökumene auf der Strasse. Der Schwiegervater des Besitzers meiner Lieblings-Taverne war Pope. Ich sah in öfters, wie er mit seiner Frau (ich nannte sie «Popeja») seine Enkelkinder hütete, während Tochter und Schwiegersohn sich um die Touristen abmühten. Öfters trafen wir uns während den heissen Tagen auf der Strasse. Er, in seinem schweren Talar, zeigte auf meine Shorts und lächelte neidvoll, aber herzlich …

Pope auf dem Markt von Rethymnon | © Walter Ludin
1. Juli 2016 | 10:32
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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