Ein Blick hinter die Kulissen der UNO-Umweltkonferenz von Paris
Man erinnert sich: Die Reaktionen auf die UNO-Umweltkonferenz vom vergangenen August in Paris waren überraschend positiv. In einem Artikel im neuen ite über die Schöpfung zeigte ich, wie der Kompromiss von Paris entstand:
Bis das Dokument von Paris zustande kam, brauchte es jahrelange Knochenarbeit – und in letzter Minute eine indirekte Intervention von Papst Franziskus.
Der Papst greift ein
12. Dezember 2015: Diplomaten aus 195 Staaten stehen kurz vor der Unterzeichnung des weltweiten Klimavertrags. Doch einer legt sich quer: der Delegierte von Nicaragua. Er findet, die Pflichten der reichen Länder und die Rechte der armen seien zu wenig klar formuliert. Spitzenpolitiker wie die Aussenminister von Kuba und den USA, Raúl Castro und John Kerry versuchen telefonisch, ihn umzustimmen.
Den Ausschlag für ein Umdenken gibt der der Erzbischof der nicaraguanischen Hauptstadt Managua, der sein Land im Namen des Papstes bittet, den Umweltvertrag nicht zu blockieren. Schon vorher hatte Kardinal Peter Turkson während den Pariser Verhandlungen im Auftrag des Vatikans sich vehement für das Abkommen eingesetzt.
Jeder fühlt sich als Sieger
Eine Heerschar von emsigen Klimadiplomaten hat die Pariser Konferenz seit Jahren – seit dem völlig missratenen Umweltgipfel von Kopenhagen im Jahr 2009 – in einem unbeschreiblichen Sitzungs-Marathon vorbereitet. «Klimadiplomat zu sein ist ein pausenloses Rennen von A nach B nach C, ein dauerndes Reden und Verhandeln über Optionen von Nebensätzen und Optionen von Optionen zu Nebensätzen. Und es ist ein Reden über viel Geld und die Frage, wo es aufzutreiben sei.» (SPIEGEL).
Dabei darf es, so einer dieser Diplomaten nicht Sieger und Besiegte geben. Man gibt etwas, um etwas zu bekommen. Am Schluss meint jeder, er habe sich durchgesetzt …
[Alles][wird][gut]
Der SPIEGEL gibt das Müsterchen eines Textes, bei dem jeweils in eckigen Klammern neben jedem Wort ein oder zwei oder drei oder mehr Varianten stehen. Und über jedes muss verhandelt und gestritten werden. (Das Beispiel ist auf Englisch, kann aber auch jenen, welche diese Sprache nicht verstehen, eine Ahnung vom Vorgehen geben):
«Option 1: [Each Party] [All Partys] [shall] [should] [other] [prepare] [communicate] [implement] [maintain] [at all times] [successive] [proposed] [nationally determined] mitigation [committments] [contribuitons] [actions] …»
Eine Auswahl dieser Varianten auf Deutsch. Es muss also ernsthaft verhandelt werden, ob im Text stehen wird:
-jede Partei oder alle Parteien?
-müssten oder sollten?
-immer oder nach und nach?
-Engagements oder Beiträge oder Aktionen oder …?
Als die Umweltdiplomaten im Februar sich in Genf trafen, um die Pariser Konferenz vom Dezember vorzubereiten, schafften sie es, ein 86 Seiten umfassendes Vorbereitungsdokument zu schaffen, in dem unzählige solcher Passagen vorkamen. Unvorstellbar, wie viel Knochenarbeit nötig war, um kurz vor Weihnachten sich auf einen Vertrag zu einigen, zu dem alle Länder – einschliesslich Nicaragua – zustimmen konnten!
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