Israelische Wehrdienst-Verweigerin
Beide Seiten wollen den Frieden, heisst es immer wieder. Dies mag sein. Aber warum wählt dann die Mehrheit der Israelis Politiker, die alles tun, um den Frieden zu verhindern? (vgl. Siedlungsbau). Unser Kari wird jetzt einwenden, dass viele Palästinenser die Hamas wählen. Richtig. Aber wohl aus Verzweiflung, weil die gemässigten Parteien seit Jahren Zugeständnisse machen (vgl. Camp David), aber nichts erreichen.
Wie schon mehrmals erwähnt, gibt es zum Glück auch auf israelischer Seite Menschen, die sich für den Frieden einsetzen und einiges in Kauf nehmen. Ein Beispiel aus Publik-Forum:
Wehrdienst-Verweigerin
Weil sich die 19-jährige Israelin Tair Kaminer dem Militärdienst widersetzt, sitzt sie nun zum dritten Mal im Gefängnis Tair Kaminer ist 8218755. Das ist die Nummer, unter der sie im israelischen Militärgefängnis geführt wird. Dort verbüsst die junge Frau mit den langen schwarzen Haaren nun schon ihre dritte Haftstrafe. Der Grund: Sie weigert sich, in der Armee zu dienen. »Um nicht eine aktive Rolle an der Besatzung der palästinensischen Gebiete zu spielen und am Unrecht, das dem paläs tinensischen Volk zugefügt wird. Um nicht teilzuhaben am Kreislauf des Hasses.«
Mit diesen Worten begründet die 19-Jährige ihre Verweigerung. »Dieses Land ist mir zu wichtig, um zu schweigen«, sagte sie am Tag ihrer ersten Verhaftung zu Mitgliedern von Amnesty. Sie will, dass öffentlich über den Militärdienst und die Gewalt, die doch zu nichts führe, diskutiert wird. Und sie ist bereit, dafür einen persönlichen Preis zu zahlen. »Das Militärgefängnis macht mir weniger Angst als der Verlust der Humanität in unserer Gesellschaft«, schreibt sie in ihrer Erklärung »Warum ich verweigere«.
Tair Kaminer stammt aus einer linken Aktivistenfamilie. Seit sie sich erinnern kann, diskutierten sie dort über Politik und die Notwendigkeit einer Zwei-Staaten-Lösung. Trotzdem gingen Familienmitglieder zur Armee, und so zögerte Kaminer zunächst selbst. Ausschlaggebend für ihre Entscheidung war ein Freiwilligenjahr in der Stadt Sderot, deren Einwohner 1948 von israelischen Kräften vertrieben worden waren. Kaminer arbeitete dort mit Kindern, sah die Angst und den Hass in ihren Augen – und entschied: »Es reicht.« Am 10. Januar erklärte sie im Rekrutierungsbüro in Tel Ha shomer ihre Verweigerung und bat darum, zivilen Ersatzdienst leisten zu dürfen. Noch am selben Tag wurde sie zu zwanzig Tagen Haft verurteilt. Auf ihrer Facebook-Seite bekunden Menschen aus aller Welt ihre Solidarität. »Sei stark«, steht da, »Du bist meine Heldin«, und »Sie ist tough«.
Die Fotos zeigen eine lachende junge Frau in einem Ringelshirt, aber auch eine ernste Tair mit kantiger Brille und einem entschlossen nach vorne gereckten Kinn. Bilder von Tair mit Freundinnen: in einem Café, beim Baden am Fluss, in den Bergen. »Alle meine Freunde gehen in diesen Tagen zur Armee, obwohl sie die Besatzung ablehnen«, erklärte sie während eines Besuchs in Deutschland im November 2015. Sie täten das, »weil sie meinen, dass wir keine andere Wahl hätten«.
Kaminer möchte zeigen, dass man sehr wohl eine Wahl hat. Und sie steckt andere mit ihrer Verweigerung an: Ende Januar entschied sich auch die zwanzigjährige Tanya Golan gegen den Dienst an der Waffe. Sie wurde ebenfalls inhaftiert. Am 29. Februar trat Tair Kaminer ihre dritte Haftstrafe an. Es wird wohl nicht die letzte sein. Aus ihrer Haftzelle schreibt sie: »Ich lasse mich nicht unterkriegen. Ich werde weiter kämpfen.«
Elisa Rheinheimer-Chabbi aus: Publik-Forum
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