Heute, nach 50 Jahren
Die Rubrik des Konzilsblogs «Heute vor 50 Jahren» soll für einmal umgekehrt werden. Denn «heute, nach 50 Jahren» finden wir uns mitten im Leben an «heute vor 50 Jahren» erinnert.
Es ist bereits wiederholt gesagt worden, dass Papst Franziskus in manchen Zügen an Papst Johannes XXIII. erinnert. Il Papa buono mit seiner Herzlichkeit – er hat in Papst Franziskus einen echten Nachfolger gefunden. Das heisst auch schon jetzt: Wie immer dessen «Programm» aussehen wird: Wer sich darauf berufen will, sei es hinsichtlich der Vision der armen Kirche, sei es hinsichtlich der Geschwisterlichkeit, kann dies authentisch nur tun, wenn er sich auch von seiner kommunikativen Herzlichkeit anstecken lässt.
Wie Johannes XXIII. – und in anderen Rahmenbedingungen mit offenkundigeren Konsequenzen – hat Papst Franziskus den Mut, sich selbst zu sein, selbst wenn das Konventionen bricht und nicht bei allen auf Verständnis stösst.
Eine andere Parallele war bereits am ersten Abend zu erkennen, als Papst Franziskus sich betont als Bischof von Rom vorstellte. Auch Johannes XXIII. setzte diesen Akzent, indem er seinen Bezug zur Lateranbasilika unterstrich und vor dem gesamtkirchlichen Konzil eine Diözesansynode einberief.
Ich könnte mir vorstellen, dass auch ein anderer Charakterzug beide verbindet: das Selbstbewusstsein, welche Aufgabe ihnen mit ihrem Amt gegeben ist. Papst Johannes XXIII. soll über die Kurienmitarbeiter einmal gesagt haben: «Es sind eifrige Männer, aber nicht sie regieren die Kirche. Das Amt habe ich.» Auch der Jesuit im Papstamt wird (hoffentlich) um seine Leitungsaufgabe sehr wohl wissen.
Zu wünschen ist, dass der Gegenwind, der ihm ins Gesicht blasen wird, nicht jenen Grad der Ablehnung erreicht, wie sie in einem Kardinal Siri zugeschriebenen Wort zum Ausdruck kommt: «Die Kirche wird 50 Jahre brauchen, um sich von den Irrwegen Johannes’ XXIII. zu erholen». Im Gegenteil: Heute, nach 50 Jahren lassen wir uns gern durch Papst Franziskus an Papst Johannes XXIII. erinnern.
(emf)
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