Walter Ludin

Christliche Symbole nicht abschaffen

…aber: Wie verbindlich sind sie?
Bei uns in Luzern ist eine heftige Diskussion im Gang. Das Stadtparlament hat beschlossen, die christlichen Bilder in der Abdankungshalle durch eine Platte abzudecken.
Nebenbei: Dies ist erst noch eine teure Lösung. Ein sehr kostengünstiger Kompromiss wäre ein Vorhang gewesen, mit dem man die Bilder abdecken kann, falls ungläubige oder andersgläubige Angehörige der Verstorbenen dies wünschen.
Zum Grundsätzlichen ist in «Christ in der Gegenwart» zu lesen:
Der Bestseller-Zukunftsroman «Soumission» (Unterwerfung)  des Schriftstellers Michel Houellebecq über eine fiktive politisch-kulturelle Machtübernahme des Islam in Frankreich 2022 ist dort erregt nicht nur von der intellektuellen Elite diskutiert worden. Den Autor bewegt allerdings weniger der Islam, der sich im Text recht kommod zeigt, als die Art, wie sich das Christentum aus Kultur und Gesellschaft aufgrund von Langeweile,Desinteresse, Apathie, Gedankenlosigkeit und Geistlosigkeit von selber verabschiedet, sich schleichend selbst aufgibt. Die Unterwerfung ist kein schwerer Akt, überhaupt nicht anstrengend, vielmehr leicht, bequem, praktisch.
Ist das nur Schwarzmalerei? Die statistischen Befunde nicht bloss aus Frankreich sprechen eine klare Sprache. Und so manche Handlung «im Kleinen» ist ebenfalls ein Zeichen der Zeit. Soumission, die Unterwerfung und Selbstaufgabe des Christentums, hat viele Gesichter. Manches beginnt ganz harmlos, unauffällig, so dass es niemand bemerkt. Zum Beispiel war in einer Regionalzeitung über den Abriss einer alten Pflegeeinrichtung und den geplanten Neubau zu lesen, dass auch die Kapelle weichen muss. «Gotteshäuser in Alteneinrichtungen seien überholt», schreibt die Zeitung über eine
Aussage des Stiftungsdirektors. «Den Kostenträger interessiert das nicht mehr.» Ausserdem: «Wir haben heute viele verschiedene Religionen in unseren Einrichtungen, die wir als weltliche Stiftung alle berücksichtigen müssen.»
Einverstanden: Tragen wir Sorge zu christlichen Symbolen. Aber dramatisieren wir nicht, indem wir vom «Untergang des christlichen Abendlandes» sprechen. Denn dieses ist längst untergegangen.
Ausserdem: Bemühen wir uns, damit die christlichen Symbole nicht unverbindlich bleiben. Ein Kruzifix aufzustellen – oder beizubehalten – ein verhältnmässig einfach. Schwieriger ist ist, gekreuzigte Menschen vom Kreuz zu nehmen (wie MISEREROR vor Jahren vorschlug).
Und auch das noch: Ein Bild aus der Zeit der Nazis geht mir nicht aus dem Kopf. Bei Eingang zu einem bayerischen Dorf steht ein wunderschönes Kruzifix. Daneben eine Tafel: «Juden sind bei uns unerwünscht.»

9. März 2016 | 01:27
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!