Frauen die Füsse waschen: harmlose Geste? Oder Durchbruch zum Frauenpriestertum?
Bekanntlich hat Papst Franziskus erlaubt, dass am Hohen Donnerstag in der Liturgie auch Frauen die Füsse gewaschen werden. Nur eine harmlose Geste? Oder ein Schritt hin zum Frauenpriestertum. Dazu P. Udo Fischer, einer der bekanntesten österreichischen Quer- und Vordenker in der katholischen Kirche:
Am Gründonnerstag wird der Einsetzung zweier Sakramente gedacht: der Eucharistie und des Priestertums. Die christliche Ikonographie zeigt dabei nur Männer, denen Jesus die Füsse wäscht. Die biblischen Berichte nennen die zwölf Apostel, Vertreter der zwölf Stämme Israels, doch waren nur sie beim letzten Abendmahl dabei? Waren die Frauen ausgeschlossen, die Jesus nach Jerusalem begleitet hatten, doch wenige Stunden später unter dem Kreuz plötzlich wieder zu finden waren? Jetzt gestattet Papst Franziskus, am Gründonnerstag auch Frauen die Füsse zu waschen. Nur eine Geste? Der Erlass des Papstes wird die Diskussion um das Frauenpriestertum neu beflügeln. Schliesslich hat Jesus denen, die von ihm die Füsse gewaschen bekommen haben, am denkwürdigen Abend dann auch die Eucharistie anvertraut. Kommt endlich die Zeit, in der Frauen den Männern nicht nur symbolisch, sondern auch faktisch gleichgestellt werden? Dann würde man vielen Problemen begegnen können, die heute als unlösbar gelten. In Ländern, wo unzählige Katholiken der Sakramente ermangeln, könnten diese in Fülle gereicht werden. In Mitteleuropa müsste man keine Pfarren schliessen. Und den Frauen würde jene Dankbarkeit erzeigt, die ihnen seit Maria Magdalena zusteht – in der patriarchalischen Welt von gestern jedoch vorenthalten worden ist.
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