Walter Ludin

Wie geht es den «klosternah Wohnenden»?

Die neueste Nummer der Zeitschrift FERMENT ist dem Thema «Orden» gewidmet. Ich durfte den folgenden Beitrag beisteuern. In der gleichen Nummer ein eindrückliches Zeugnis eines unserer «Wohnlinge» (Wortkreation von mir ….)
Bei den Kapuzinern «klosternah wohnen»
Im Rahmen von «klosternahem Wohnen» sind Anfang Oktober vier Frauen und vier Männer ins Kloster Wesemlin, Luzern, eingezogen. Sie sind daran interessiert, im Rahmen ihrer Möglichkeiten am Leben der Brüder Kapuziner teilzunehmen.
Es waren einmal fast 70 Leute, die ein sehr grosses Haus am Rande der Stadt Luzern bewohnten. Und dann, Jahrzehnte später, waren es nur noch 15. So könnte die Geschichte vom «klosternahen Wohnen» beginnen. Im Klartext: Weil es in der Schweiz nur noch rund 150 Kapuziner gibt statt 800 wie in den 1960er-Jahren, nahm auch im Kloster Luzern die Zahl der Brüder ab.
Das Haus aber blieb gleich gross – viel zu gross für eine so verhältnismässig kleine Schar. Zudem kam, dass das 430 Jahre alte, vor 60 Jahren letztmals total renovierte Kloster Altersbeschwerden zeigte.
Oase-W
Unter dem Motto «Zukunft bauen» entwickelten die franziskanischen Ordensbrüder in den letzten Jahren das Projekt Oase-W. Die Ordensgemeinschaft setzt als spirituelles Zentrum neue Akzente mit zeitgemässeren Angeboten in Meditation, Gebet, Liturgie und religiöser Bildung. Ihre zurzeit 15 Mitglieder haben Platz im ältesten Flügel des Klosters.
Der andere Flügel wurde dieses Jahr auf zweifache Weise umgenutzt. Auf zwei Stockwerken zog eine ärztliche Praxisgemeinschaft mit neun Ärzten ein. Die Initiantin hatte schon lange davon geträumt, für ein solches Projekt einen Ort mit einer «spirituellen Ausstrahlung zu finden».
Wohnen in Studios
Auf den beiden andern Stockwerken dieses Flügels entstanden anstelle der kleinen Zellen zehn Wohnstudios für Menschen, welche die Nähe zur Klostergemeinschaft suchen. Das Interesse für diese Wohnform war sehr gross. 60 Personen hatten sich gemeldet, zehn wurden ausgewählt. Zu den Aufnahmekriterien heisst es im Flyer «klosternahes Wohnen»: «Die Bewohner müssen christlich sozialisiert sein. Darüber hinaus erwarten wir eine ‹ausgewiesene Bereitschaft›, sich auf das religiöse Umfeld einzulassen und es mitzutragen.» Zudem sollte es altersmässig eine gesunde Durchmischung geben – also weder eine Studenten- noch eine Seniorengemeinschaft …
Am 4. Oktober, dem Fest des heiligen Franz von Assisi, startete das Projekt mit vorerst acht Personen, je zu Hälfte Frauen und Männer. Die jüngste Person ist 37, die älteste 75. Auch was die Berufe betrifft, gibt es eine gute Durchmischung. Drei der «Mitbewohnenden» arbeiten in kirchlichen Organisationen. Beispielsweise wohnt auch eine Pflegefachfrau hier und eine Bäuerin, die den Hof ihrer Tochter übergeben hat.
Einzigartig
Die Erarbeitung des Konzepts «klosternahes Wohnen» war recht anspruchsvoll, da es weithin einzigartig ist. Auch wenn es gut anlief, muss sich noch einiges einspielen. Die Herausforderung für alle Beteiligten ist gross – aber lohnend.
Walter Ludin
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23. Januar 2016 | 01:23
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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