Dürfen wir nicht mehr um das «tägliche Brot» beten?
«Gebt Ihr ihnen zu essen», hat bekanntlich Jesus die Jünger und Jüngerinnen aufgefordert, als sie ihn auf die hungernde Menge aufmerksam machten. Dennoch bitten wir Gott im Vaterunser, dass ER uns das tägliche Brot gibt. Helmut Salzgeber findet dies im «infosperber» gedankenlos. Und schlägt eine neue Variante vor. Die Diskussion ist eröffnet:
Wir, die Übersatten, mehrheitlich Christen, beten im Vaterunser: «Unser tägliches Brot gib uns heute.» Die Priester, die Pfarrherren, die Geistlichen, die Diener Gottes beten es gedankenlos vor, und ebenso gedankenlos plappern es die Gläubigen bzw. die Kirchgänger nach.
Ich kann gut verstehen, wenn einer der 800 Millionen Hungernden für Brot betet, aber nicht, wenn dies einer von uns Satten tut, einer, der einer Gesellschaft angehört, in der mehr als ein Drittel der Lebensmittel im Abfall landet, bald 50 Prozent der Menschen übergewichtig sind, Magenband- und Magenbypass-Operationen am Fliessband erfolgen.
Das ist gedankenlos. Die Aufklärung – mit der wichtigen Forderung, selbst zu denken – ist irgendwo stecken geblieben. Das zeigen auch Ergebnisse von Volksabstimmungen: Früher glaubte man den Worten von der Kanzel, heute der Werbung, den Plakatwänden und den Abstimmungszeitungen.
Aufgeklärt, nächstenliebend und empathisch müssten wir Satten den zweiten Teil des Vaterunsers wie folgt beten:
«Gib den Hungernden das tägliche Brot. Und vergib uns unsere Mitschuld. Führe uns nicht in Versuchung, übermässig zu konsumieren, Lebensmittel wegzuwerfen oder aus Profitgier gar zu vernichten und mit Nahrungsmitteln zu spekulieren. Gib uns die Kraft, selbst zu denken, und die Gnade, der Propaganda der Mächtigen dieser Welt nicht zu glauben. Amen.»
Das wäre ein christliches Aufbäumen gegen Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit.
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