Walter Ludin

Bedenkenswertes und Unvernünftiges aus Österreich

«Manchmal kommt nachdenklichen Menschen der Verdacht auf, es wäre Gott gar nicht so wichtig, ob die Menschen an ihn glauben oder nicht. Es könnte ihn vielleicht wesentlich mehr freuen, wenn die Menschen aneinander glauben.»
Diesen anregenden wie provozierenden Gedanken finde ich in der österreichischen Zeitschrift «Kirche in». (Ich habe übrigens die Ehre, dass dort die eine oder andere Buchrezension von mir erscheint.) Der bemerkenswerte Beitrag über das Thema des Atheismus wurde von Peter Paul Kaspar verfasst,  einem Priester, der sich seit Jahrzehnten für die Kirchenreform einsetzt.
In der gleichen Ausgabe finde ich auch weniger Erfreuliches. Ich denke an den Beitrag von Rudolf (»Rudi») Schermann, den verdienstvollen Gründer er anfänglich «Kirche intern» genannten Zeitschrift. Es ist verständlich, dass er als in Ungarn Geborener und nach Österreich Geflohener seine ursprüngliche Heimat verteidigt. Sein Beitrag «Prügelknabe Ungarn» enthält aber eine rechte Menge Unsinn:

Sie zieht er Parallelen zwischen den Türken, die im 16./17. Jahrhundert Westeuropa bedroht und dabei Ungarn verwüstet haben, und den (syrischen) Flüchtlingen, die heute via Türkei ins Land kommen. Es sei begreiflich, dass man vor ihnen Angst habe…
Und er zeigt Verständnis für den Ministerpräsidenten Orban, der behauptet, jemand, der durch die Türkei, Griechenland … nach Ungarn oder Österreich gekommen sei, sei kein Asylant mehr, da er sich ja an seinem derzeitigen Aufenthaltsort in Sicherheit befinde. Eine seltsame Logik.

Auch wer seine Heimat, die er als Flüchtling (!!!!) verlassen hat, verteidigen will, dürfte etwas mehr Verstand walten lassen, wenn er über Flüchtlinge schreibt.

30. Oktober 2015 | 01:03
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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