Walter Ludin

«Warum schweigen die Lämmer?»

Ein freundlicher Besucher meines Blogs schickte mir den Text eines Vortrags von Prof. Rainer Mausfeld mit diesem Titel.Er bietet einen Einblick in die tatsächliche Verwaltung unserer Demokratie und wie mit den Techniken des Meinungs-und Empörungsmanagements das Volk in Apathie und der Illusion des Informiertseins gehalten wird. –Hier nur zwei Abschnitte. Zuerst über die Manipulation der Sprache:
«Zu dem natürlichen Vermögen unseres Geistes gehört die Befähigung, die Begrifflichkeiten zu hinterfragen, mit denen man im gesellschaftlich-politischen Bereich Phänomene und Fakten kategorisiert, ordnet und bewertet. Prominentes Beispiel ist der neoliberale Neusprech zur Verhüllung und Verdeckung des tatsächlich Gemeinten, mit dem man leicht ein Orwellsches Neusprech-Wörterbuch füllen könnte. Hierzu gehören Begriffe wie Strukturreformen, Reformwille, Bürokratieabbau, Deregulierung, Stabilitätspakt, Austerität, Euro-Rettungsschirm, freier Markt, schlanker Staat, Liberalisierung, Harmonisierung, marktkonforme Demokratie, alternativlos, Humankapital, Leiharbeit, Lohnnebenkosten, Sozialneid, Leistungsträger, etc. etc.
Derartige Begriffe transportieren ideologische Weltbilder, deren totalitären Charakter es aufzudecken und zu benennen gilt. Damit wir diesen ideologischen Weltbildern nicht unbewusst und ungewollt erliegen, müssen wir die stillschweigenden Prämissen, Vorurteile und ideologischen Komponenten in der Begrifflichkeit, in der wir über gesellschaftlich-politische Phänomene sprechen, identifizieren und bewusst machen.»
 
Der Referent erwähnte dann die Auffassung von Milton Friedman, einem der «Erfinder» des Neoliberalismus, wonach Demokratie nur soweit als ‹zulässig› angesehen wird, wie der Bereich der Wirtschaft von demokratischen Entscheidungsprozessen verschont ist – also solange sie keine Demokratie ist. «In diesem Sinne ist weltweit der Neoliberalismus der grösste Feind von Demokratie.
Aus Sicht multinationaler Konzerne stellt Demokratie vor allem ein Geschäftsrisiko dar. Wenn die Bevölkerung partout nicht bereit ist einzusehen, dass die Organisation einer Gesellschaft wirtschaftlichen ‹Sachzwängen› Rechnung zu tragen hat und dass Löhne und Sozialleistungen äusserst nachteilige Faktoren für die Kapitalvermehrung sind, müssen durch die herrschenden Eliten eben geeignete «Strukturanpassungsmassnahmen› auf autoritärem Wege durchgesetzt werden.»
 

25. September 2015 | 01:53
von Walter Ludin
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