War Mohammed ein «Kriegsherr»?
Jesus als Friedensstifter – Mohammed als Kriegsherr. Dieser Gegensatz wird sehr häufig gemacht; gerade auch von Christen, die sich völlig um die Friedensbotschaft (Gewaltfreiheit!) von Jesus foutieren. Der Religionswissenschafter Perry Schmidt-Leukel nimmt dazu um neuesten Publik-Forum Stellung:
«Nachdem Mohammed zum Führer eines politischen Gemeinwesens aufgestiegen war, musste er auch Dinge tun, die Stammesfürsten nun einmal tun müssen: etwa Kriege führen, Rechtsordnungen durchsetzen etc. Dass er als Staatsmann Gewalttaten zu verantworten hatte, ist unübersehbar, aber das ist die Rolle jedes Staatsmannes und spricht nicht gegen seine prophetische Natur. Denn es gibt kein staatliches Gemeinwesen, das ohne eine Form von Gewalt auskommt. Jesus ist nie in der Situation gewesen, Staatsoberhaupt sein zu müssen. Aber in dem Moment, als Christen an die politische Macht kamen, haben sie sich nicht anders oder gar besser verhalten als Mohammed.
Gemessen an den Vorstellungen seiner Zeit muss man sagen, dass etliche auf Mohammed zurückgehende Rechtsgrundsätze stark humanisierenden Charakter hatten, etwa dass Zivilisten in Kriegen zu schonen sind.»
Auch Mohammeds Aussagen zur Ehe seien auf dem zeitgeschichtlichen Hintergrund zu interpretieren. Er hab nicht anstelle der Einehe die Polygamie eingeführt, «sondern diese auf maximal vier Frauen eingegrenzt, die alle gleichermassen gut zu behandeln sind.» So gesehen sieht die «Frauenfeindlichkeit» des Propheten doch anders aus als sie heute gemeinhin betrachtet wird. Das gleiche ist mit der für uns anstössigen Formulierung, Frauen dürften nur die Hälfte von dem erben, was einem Mann zusteht. Vor ihm waren sie überhaupt nicht erbberechtig. Also auch hier ein Fortschritt, der durchaus im Geiste des Propheten fortgeschrieben werden kann.
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