Walter Ludin

«Keine schnelle Sofortreform» (P.P. Kaspar II.)

Franziskus kann und darf die reichlich dringende Kirchenreform nicht rasch, autoritär und solistisch durchführen, sondern sie nur partnerschaftlich, zielführend und geduldig beginnen: partnerschaftlich als Primus inter Pares und ohne zentralistische Allüre; zielführend, weil für hellsichtige Menschen erkennbar ist, worauf die Reform hinauswill; und geduldig auch im Blick auf die ihm nachfolgenden Personen, weil eine schnelle Sofortreform einer derart autoritär fixierten Struktur ins institutionelle Chaos führen könnte.
Übrigens hat die Zeit nach dem letzten Konzil (1962 bis 1965) gezeigt, dass eine allzu schnelle Generalreform wenigstens zu guten Teilen scheitern muss: mit späteren Kurskorrekturen, mit einer Kirchenspaltung um Erzbischof Lefebvre und letztlich mit einer langen Periode kirchlicher Resignation – bis heute.
(…)Zuletzt eine unbequeme Ermahnung an meine Freundinnen und Freunde in der Kirchenreformfraktion: Nur infantile Typen sagen: «Ich will alles – und das sofort.» Wer so denkt, bekommt meist gar nichts – und das für sehr lange.
Die anstehende Kirchenreform wird daher nur gelingen können, wenn sie im Kontakt zum Kirchenvolk geschieht (mit Umfragen bereits gut begonnen), mit Augenmass (für eine Reform in klugen Schritten) und mit Rücksicht (auch auf konservative Teile der Kirche). Revolutionäre Ungeduld ist zwar verständlich, jedoch ein schlechter Ratgeber für eine Reform im Grossen.
Der Autor
 Prof. Peter Paul Kaspar (* 1942 in Wien) studierte Musik und Theologie in Wien und Innsbruck. Jugend- und Studentenseelsorger in Wien, danach Akademiker- und Künstlerseelsorger in Linz. Unterrichtete Religion am Gymnasium, derzeit Rektor der Ursulinenkirche Linz. Verfasste über 30 Bücher und ist Vorstandsmitglied der Pfarrerinitiative. [ APA ]
 

23. Juni 2015 | 01:24
von Walter Ludin
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