Wer von euch hat schon den Koran gelesen?
Immer wieder sind Sammlungen von «Gräuelversen» aus dem Koran zu finden (so schon mehrmals in der sonst recht aufgeschlossenen Wiener Zeitschrift «Kirche in»). Aber wer – von uns/euch – hat schon den ganzen Koran gelesen. Jene die es – wohl mit grosser Mühe taten – haben erfahren, dass es dort sehr viele, ja eine Mehrzahl ganz anderer Stellen gibt. Dazu aus dem Bericht einer kürzlichen Tagung, durchgeführt von der Fokolar-Bewegung:
Mein Gott ist schön und gut
«Mein Gott ist schön und gut und er will alles mit dem Menschen teilen» erklärte Sherazade Houshmand anhand von Koranversen. Sie besitzt als einzige muslimische Frau in Italien zwei Doktortitel: in islamischer Theologie (Universität Teheran) und in katholischer Theologie (Lateran-Universität Rom). Aktuell unterrichtet die Professorin an zwei römischen Hochschulen. Die Koranverse geben 99 Namen von Allah wieder, führte Housmand aus: Er ist ein Freund, ein Führer, eine Stütze, ein Licht, er ist der, der nährt… Er ist auch ein der Wahrheit naher Gott, der auf den Ruf von dem, der ihn anfleht, antwortet. 113-mal wird gesagt, dass Gott die Fülle der Liebe ist. «Wir vergessen, dass er Liebe ist. Was sagen wir also zur weit verbreiteten Gewalt in der Welt und zum Terrorismus? Sie sind die Frucht der Unwissenheit, der Armut und des Unwohlseins», bekräftigte Sherazad Housmand.
Gegen die Unwissenheit kämpfen
Dies wurde auch von einem der Organisatoren der Tagung unterstrichen, Hassan Tairov. Er ist dafür, den Fanatismus zu bekämpfen, indem man gegen die Unwissenheit vorgeht und die muslimische Kultur fördert, um besonders jungen Moslems zu einer positiven, dialogfähigen Identität zu verhelfen. Denn die Gewalt in Frankreich existiere aufgrund der verloren gegangenen Identität. Zum Schluss meinte er: «Haltet euch an Allah und seid nicht uneins unter den verschiedenen muslimischen Gemeinschaften. Der grösste Feind ist unsere eigene Unwissenheit». Ein muslimischer Teilnehmer meinte zum Schluss: «Wir sind alle Träger dieses göttlichen Atems, den Adam erhalten hat. Dieser Tag der Reflexion hat allen erlaubt, Aspekte der Religion des andern zu entdecken und sich bereichert zu fühlen»
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