Konzilsblogteam

Ein Beamter der «höheren Autorität»

Viel Schmeichelhaftes wird über ihn nicht berichtet: Pericle Felici (1911 – 1982), der erst nach dem Konzil Kardinal wurde. Der Konzilshistoriker Giuseppe Alberigo nennt ihn «Konzil in Person»; Hans Küng meinte, Felici glaubte an nichts anderes als «ans nizänische Glaubensbekenntnis und ans Kardinalat». Mario von Galli verteidigte Felici zwar gegen den Ruf eines «Intriganten», stellte aber klar, dass Felici ganz sicher ein «Konservativer» gewesen sei.Pericle Felici war Kurienbeamter und ihm gelang der Aufstieg bis zum Generalsekretär des Konzils. Seinen Einfluss verdankte er seinem ungeheuren Fleiss. Er war es, der vor dem Konzil die Voten der Bischöfe durcharbeitete und daraus eine immerhin 1500-seitige Zusammenschau erstellte. Seine traditionellen Kriterien waren der Massstab für oder gegen die Behandlung der Voten auf dem Konzil. Schliesslich war es seine Initiative, dass vor dem Konzil sieben Schemata an die Bischöfe verschickt wurden, und es war sein Kalkül, die Besetzung der Konzilskommissionen so zu lenken, dass vor allem die Mitglieder der Vorbereitungskommissionen hier präsent sein sollten. Kurz: Wer vor dem Konzil die Schemata formuliert hatte, sollte während des Konzils dafür privilegiert Sorge tragen können, dass sie rasch angenommen werden. Dieses Manöver jedenfalls misslang.Insbesondere dann, wenn sich das Konzil später in eine nicht genehme Richtung zu wenden drohte, schlug die Stunde Felicis. Mit Berufung auf eine «höhere Autorität» (die des Papstes) manipulierte er den Konzilsverlauf, z.B. bei den Themen Judenerklärung, Religionsfreiheit und Kirchenkonstitution.Kritik an seinen zahlreichen Wortmeldungen bei den Generalversammlungen begegnete er mit den Worten: «Man wirft mir vor, ich rede zu viel. Ehrwürdige Väter, auch ich weiss, dass Gott nur im Schweigen gefunden wird. Aber ich bin ein Beamter, und – entschuldigt – abgesehen von einigen Ausschmückungen, sage ich wirklich nur, was mir von höherer Autorität befohlen wird.»(ab; Le 62 – 64)

20. Februar 2013 | 00:03
von Konzilsblogteam
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!