Walter Ludin

Israel: War die Staatsgründung ein Fehler (Amos Oz)

Amos Oz: Judas. Roman. Suhrkamp 2015. ISBN 978-3-518-42479-7. 312 S., ca. Fr. 32.90
Der Israeli Amos Oz gehört zu den Grossen der Weltliteratur. Ebenso hat er sich einen Namen gemacht als jüdischer Kritiker des Staates Israel. Im vorliegenden, auf Deutsch bereits in 4. Auflage erschienenen Roman kommen innerisraelische Kontroversen um die Staatengründung immer wieder zur Sprache. Das Thema wird am Beispiel von Schealtiel Abrabanel behandelt, eines fiktiven Juden, der entschieden gegen die Gründung eines Judenstaates war und deshalb als Verräter beschimpft wurde.
Ein zweiter, öfters wiederkehrender Erzählstrang ist die Rolle von Judas, der hier als der treuerste Jünger Jesu beschrieben wird. Ebenfalls die Einschätzung Jesu durch die Juden im Verlaufe der Jahrhunderte wird mehrmals thematisiert.
Erst gegen Ende des Buches zeigt sich, wie die beiden Themen zusammenhängen: Beide – der Abrabanel wie Judas – handeln aus Liebe. Tragischerweise werden sie nicht gehört oder missverstanden.
Der vordergründige Held der Geschichte ist ein junger, höchst schrulliger Student, der angestellt wurde, um mit einem noch schrulligeren alten Juden jeden Tag stundenlang zu diskutieren. Erst allmählich wird klar, dass der Greis der Schwiegervater von Abrabanel ist und seine Mitbewohnerin dessen Witwe. Zwischen ihr und dem Studenten kommt es zu einer knisternden, letztlich unerfüllbaren Liebesbeziehung.

13. Mai 2015 | 01:02
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!