Neue Spiritualität hinter 430 Jahre alten Mauern
Fortsetzung meines Artikels im «Konradsblatt»:
«Klosternahes Wohnen» ist für die Kapuziner eine besondere Herausforderung. «Es entsteht eine andere Art von Klosterleben», meinte der Senior leicht bedauernd. Insgesamt überwiegt bei den Brüdern die Freude über die erwartete Bereicherung und die Möglichkeit, ihr Charisma auf zeitgemässe Art zu leben.
«Spirituelles Zentrum»
Wenden wir uns nun der ersten Säule zu, dem «spirituellen Zentrum», dem Herzstück der Neuausrichtung des Hauses. Dazu heisst es in einem Prospekt: «Die Klostergemeinschaft setzt als spirituelles Zentrum neue Akzente mit zeitgemässen Angeboten in Meditation, Gebet, Liturgie und religiöser Bildung.»
Dazu gehört auch die Wiederbelebung der Wallfahrt zu «Unserer lieben Frau auf dem Wesemlin». Seit geraumer Zeit finden dorthin kaum noch Gruppenwallfahrten statt. Durch Angebote von religiöser Begleitung und ebenso durch das neue Kloster-Café im Raum der ehemaligen ordenseigenen Buchbinderei soll die Wallfahrt neu belebt werden.
Neben den erwähnten neuen religiösen Angeboten, die auch zeitgemässe Rituale umfassen, ist gemäss der franziskanischen Tradition auch der soziale Aspekt zentral. Die Oase-W ist ein Ort, an dem Menschen mit ihren Sorgen und Nöten ein offenes Ohr finden. Neben den bisherigen Beratungsgesprächen im Sprechzimmer soll nach Möglichkeit auch therapeutische Begleitung angeboten werden.
Diese und manch andere Pläne übersteigen die arbeitsmässigen Kapazitäten und zum Teil auch die Kompetenzen der rund 15 hier lebenden Brüder. Deshalb sollen auch Laien einbezogen werden, solche vom «klosternahen Wohnen» oder von auswärts.
Suppenstube
Nicht vergessen sei die Suppenstube, in der weiterhin Randständige gratis essen können. Der jüngste Mitbruder, der Mitte März seine erste Profess abgelegt hat, wird sich besonders um sie kümmern.
Neben der Suppenstube wurde ein Raum eingerichtet, in dem die «Suppleanten» duschen können (wie in den Räumen, die im Vatikan auf Geheiss von Papst Franziskus eingerichtet wurden ….). Für Notfälle steht dort auch ein Bett zur Verfügung. Dies ist ein Beispiel dafür, wie bisherige Angebote des Klosters weitergeführt und zeitgemässer positioniert werden.
Besinnlicher Klostergarten
Bleibt noch das dritte Element, der Klostergarten. Dieser gleicht mit seinen 17 000 Quadratmetern einem Park. Er soll so umgestaltet werden, dass er der geistigen Anregung und Erholung dienen wird.
Im Frühsommer wird die bauliche Umgestaltung des ganzen Klosters vollendet sein. Voraussichtlich folgt dann noch eine zusätzliche Bauetappe: Am Rande des Gartens, wo die ehemaligen Ökonomiegebäude (Schreinerei, Schweine- und Hühnerställe) waren, soll ein Neubau mit einer grösseren Zahl von Wohnungen entstehen, die auf dem freien Markt im mittleren Preissegment angeboten werden. Die Einnahmen dienen dem Gebäude- und Lebensunterhalt. Denn die dafür erforderlichen 160 000 Franken im Jahr können nicht vollständig durch die Arbeit der Brüder erwirtschaftet werden.
Zukunft bauen
Die Oase-W steht unter dem Leitwort «Zukunft bauen». Auch wenn die Grundhaltung der Kapuziner, die bekanntlich einen Reformzweig der von Franz von Assisi gegründeten Gemeinschaft bilden, nach wie vor die gleiche ist, sollen die neuen Akzente das Wesemlin zukunftsfähig machen.
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