Weiter in meinen «Memoiren» im Kapitel «Bischofs-Synoden»
Falsche Erwartungen
Jeder von uns Journalisten machte und macht im Vorfeld der Synode sich Vorstellungen vom Ablauf der Beratungen. Oft kommt es anders als man denkt. Vor der ersten Synode für Afrika (1994) erwartete kaum jemand eine offene Diskussion. Denn erstens seien die afrikanischen Bischöfe vorwiegend konservativ. Zweitens seien sie abhängig von den Geldern aus Rom. Vom ersten Tag an durften wir jedoch offene, ja zuweilen freche Voten vermelden.
Vor der neuesten Synode hiess es vielfach, «die pastoral schwierige Situation» der geschiedenen Wiederverheiraten sei bloss ein Problem der Europäer. Wie dann die KIPA melden konnte, kamen von den Rednern zu diesem Thema weniger als die Hälfte aus Europa. Arbeitstherapie?
Kritische Beobachter rügten das Verfahren bei den vorherigen Synoden als höchst ineffizient – was beabsichtigt sei. Während den zwei ersten Wochen mussten die Synodenväter sich darauf beschränken, zuhause vorbereitete Statements abzulesen, so dass eine Diskussion verhindert wurde. «Blosse Arbeitstherapie», spotteten wir.
Diesmal war es anders. Vom ersten Tag an konnten die Teilnehmer frei reden und auf die Voten der Vorredner eingehen. Auch hier zeigte sich der neue Stil des Vatikans. Ich bin versucht, für die nächste Synode wieder nach Rom zu fahren. Übrigens: Ich, dem «antirömischer» Affekt vorgeworfen war, liebe diese Stadt …
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