Warum war die Bischofssynode nicht progressiver? Und: Sie zitierte die Bibel unvollständig. (Hermann Häring)
Eine bisher kaum gesehene Begründung für die Zurückhaltung der Bischofssynode betr. Reformen gibt Hermann Häring:
«Was die Schlussabstimmung betrifft (dabei wurde die bedingte Zulassung von Wiederverheirateten zu den Sakramenten abgelehnt, Anm.), muss man sehen, dass die Zusammensetzung dieser Synode kein repräsentativer Querschnitt der Weltkirche war. Es gab ein Übergewicht der Kardinäle und 40 Prozent der Teilnehmer kamen aus dem afrikanischen Raum. Das hat bei dem enttäuschenden Abstimmungsergebnis zur Homosexualität eine grosse Rolle gespielt.
Meine Hoffnung ist, dass sich jetzt die Bischöfe zweiten und dritten Ranges melden. Denn die Einhelligkeit und Romfrömmigkeit ist ja ein Phänomen jener Bischöfe, die Karriere gemacht haben: der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen und der Amtsinhaber im Vatikan. Sie schreiben in Ihrem aktuellen Buch, die Reformen müssten gründlich vorbereitet werden. Aber liegen die nicht längst auf dem Tisch?»
Häring beklagt sich dann, dass die Synode die Bibel in Sachen Scheidung nicht vollständig zitierte: Sie unterschlug den Einschub, der im Evangelium steht: keine Scheidung, «ausser im Fall von Unzucht/porneia»
Das sehr ernst zu nehmende Eheideal der Bibel sieht die Möglichkeit, dass eine Ehe zerbrechen kann. Ich finde es daher einen Skandal, dass der Schlussbericht der Synode die sogenannten Ehebruchsklauseln (Matthäus 5,32 und 19,9) verschweigt. Das gehört sich nicht.
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