Walter Ludin

Was haben (Pfarrer/Pfarrei)Initiativen gebracht?

Weiter aus dem Gespräch mit H. Schüller über die Pfarrer-Initiative (und ähnliche Initiativen wie z.B. die Schweizer Pfarrei-Initiative:)
Was hat der «Aufruf zum Ungehorsam» aus Ihrer Sicht gebracht?
Ich glaube, dass es ein wichtiger Schritt war, dass sich auch die Pfarrer ausdrücklich in die Reformdiskussion einbringen. Das war neu und sicher auch für die Bischöfe vollkommen ungewohnt. Die haben uns bis dahin eher als Angestellte gesehen, die durchzuführen haben.
Wir haben sicher auch eine Diskussion darüber angestossen, was Gehorsam ist und was nicht. Es zeigt sich ja immer noch, wie Gehorsam von manchen Kirchenautoritäten verstanden wird, nämlich als ein widerspruchsloser Durchführungsgehorsam. Dabei ist die erste Instanz nach wie vor Gott, dann kommt das Gewissen und erst dann die Autorität.
Und schliesslich haben wir auch klargestellt, dass wir mit unseren Anliegen nicht allein sind, weil sich auch viele Kollegen aus anderen Ländern gemeldet haben. Man hat ja sehr lang so getan, als wäre die Pfarrer-Initiative nur das Hobby einiger alt werdender Pfarrer aus dem Osten Österreichs – das sagt mittlerweile niemand mehr.
Was hat sie in diesen drei Jahren am meisten überrascht?
Wir sind zunächst selbst überrascht worden von dem Aufruhr, den das Ganze verursacht hat. Das hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Wir waren auch überrascht, dass uns etwa drei Viertel der Priester und Pfarrer sagen, dass sie im Grossen und Ganzen mit uns einer Meinung sind, aber dass es viele von ihnen kaum wagen, auch offen dazu zu stehen. Und wir waren sehr überrascht, dass sich im April 2012 – also nicht einmal ein Jahr nach dem Aufruf – der damalige Papst Benedikt XVI. öffentlich zu uns geäussert hat. Das hat uns – vor allem international – eine ganze Menge an Kontakten gebracht.
Gab es auch negative Überraschungen?
Ja, zum Beispiel, dass die Bischöfe in Österreich es für notwendig halten, Mitglieder der Pfarrer-Initiative von diözesanen Ämtern auszuschliessen. Das halte ich für einen völlig überzogenen Schritt. Bei den Dechanten hat es zunächst auch so ausgesehen, als würden unsere Mitglieder da ausgeschlossen. Aber dann haben die Bischöfe offensichtlich gemerkt, dass sie da sehr viele gute Dechanten verlieren würden. Es gibt jetzt, wenn eine Ernennung oder Verlängerung ansteht, so genannte klärende Gespräche, aber die anfängliche Schärfe hat sich nicht bewahrheitet.
Wie weit würden Sie gehen? Wenn sich zum Beispiel herausstellt, dass sich in Richtung Frauenpriestertum nichts bewegt, würden sie auch das selbst in die Hand nehmen wie sie das – laut Aufruf – zum Beispiel bei der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene tun?
Noch ist es nicht so weit. Wir wollen zunächst einmal schauen, ob da nicht doch etwas geht. Unser Ziel ist es ja, dass sich die gesamte Kirchenordnung ändert. Wenn wir bloss im Kleinen etwas ändern würden, würde das global gesehen nichts bringen. Wir haben nicht vor, Priesterinnen zu weihen, aber wir werden nach wie vor deutlich dafür eintreten.

13. Juli 2014 | 01:51
von Walter Ludin
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