Walter Ludin

Sind die Kirchenreformer am Aussterben

Die «Kirchenreformer» seien ein kleines Grüppchen und eh am Aussterben. Mit diesem Killerargument werden ihre Postulate sehr oft bekämpft – oder ignoriert. So hiess es nach der St. Galler Demo, die 3000 Teilnehmenden müssten als kleinste Minderheit in der Kirche nicht ernstgenommen werden. Zu diesem Thema Hintergründiges von Herbert Kohlmaier, dem 1. «Obmann» der österreichischen Laien-Initiative:
Die in den Reformbewegungen Engagierten gehören meist einer älteren Generation an, die noch der Kirche verbunden ist und Veränderungen für wichtig und machbar hält (die der «Nachkonziliaren»). So meint wohl die Hierarchie, man könne die Bedeutung der Reformbewegungen bedenkenlos herunterspielen und das Problem, mit vielfacher Kritik konfrontiert zu sein, einfach «aussitzen». Auf die Idee, dass es hier um redliche Exponenten einer viel grösseren Zahl von Gleichgesinnten geht, kommt ja die Kurie in ihrer furchtsamen Beschränktheit nicht. Ob und wieweit dies tatsächlich der Fall ist, wissen auch die Reformbewegungen freilich selbst nicht wirklich.
Die österreichische Laieninitiative hat daher neulich diesbezüglich eine repräsentative Meinungsforschung in Auftrag gegeben. (Erhebung der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft «Einstellungen der ÖsterreicherInnen zur Kirchenreform» v. April 2014) Diese erbrachte als Ergebnis zunächst, dass mehr als 60 % der Befragten angaben, von den Reformorganisationen zu wissen. Viel wesentlicher erscheint allerdings, dass über 70 % der interviewten Katholiken und Katholikinnen erklärten, dass sie an einer Abstimmung über die Durchführung einer Kirchenreform teilnehmen würden. Das lässt einen immerhin wichtigen Schluss zu.
Es wird offenbar von sehr Vielen erkannt, dass es einen grossen Änderungsbedarf gibt, dass aber die Möglichkeit fehlt, dazu Entscheidendes beizutragen. Insofern befinden sich die Reformbewegungen also durchaus in Übereinstimmung mit der im Kirchenvolk deutlich überwiegenden Haltung. (…)
Dass die Hauptanliegen der Erneuerungswilligen von einer ganz starken Mehrheit geteilt werden, war aus anderen Erhebungen bereits bekannt und wurde durch die Studie eindrucksvoll bestätigt.
84 % der Antworten drücken ganz allgemein den Wunsch nach einer Kirchenreform aus. 83 % sind der Meinung, Priestern wäre die Ehe freizustellen und 72 % sind dafür, dass Frauen alle Gottesdienste halten. Die Kommunion für Wiederverheiratete sehen 87 % für richtig an.
(Fortsetzung folgt)

5. Juni 2014 | 01:13
von Walter Ludin
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