Walter Ludin

Wenn Fremdenhasser in der Türkei um Asyl ersuchten ....

«Philippus kam in die Hauptstadt Samariens hinab.» (Apostelgeschichte) Es war alles andere als selbstverständlich, dass er dorthin, um der Verfolgung in Jerusalem zu entgehen. Denn die Samariter galten als häretisch, weil sie in ihren Glauben Elemente aus dem Heidentum aufgenommen hatten. Mit solchen Irrgläubigen wollte man nichts zu tun haben.
Ausgerechnet zu diesen Fremden, Andersartigen, Verachteten gingen Philippus und andere Mitglieder der Urgemeinde ins Asyl. Man stelle sich dies heute vor: Ein Fremdenhasser müsste heute in die Türkei oder in den Kosovo fliehen.
Zurück zur Apostelgeschichte: In Samarien geschah das Unerwartete: Die Samariter, diese halben Heiden, lauschten gebannt auf die Worte des Philippus. Doch dieser begnügte sich nicht mit Reden. Er tat viele Wunder, indem er Kranke heilte, sie von ihren Zwängen und Ängsten befreite. Begeistert kann der Verfasser des biblischen Berichtes kurz und prägnant schreiben: «So herrschte grosse Freude in jener Stadt.»
Erlauben Sie mir nochmals einen grossen Sprung in unsere Gegenwart. Lassen sich heute auch noch Berichte schreiben, in denen steht: «Es herrscht Freude in der Stadt Luzern, es herrscht Freude im Wesemlin-Quartier wegen Worten und Taten der Christen und Christinnen, die hier leben und wirken?» Vielleicht können Sie in einer ruhigen Viertelstunde des heutigen Abends oder des morgigen Sonntags miteinander darüber diskutieren.
 
Die Geschichte der ersten Christengläubigen in Samarien ging damals weiter. Sie erhielten Besuch von Petrus und Johannes, «die für sie beteten, damit sie den Heiligen Geist empfingen».
Damit sind wir beim heutigen Evangelium. Dort hat Jesus den Jüngern und Jüngerinnen seinen Geist versprochen, den Geist der Wahrheit. An anderer Stelle verspricht Jesus, dieser Geist werde die Gläubigen immer tiefer in die Wahrheit einführen.
Dies hat bis heute ganz konkrete Konsequenzen. Es zeigt, dass der Glaube nicht eine Konserve ist; keine Sammlung von immer gleichen starren Formulierungen. Der Glaube ist vielmehr wie eine Pflanze, die wächst und wächst. Nicht zufällig hat Jesus das Reich Gottes mit einem Senfkorn verglichen. Wenn wir dieses Bild ernstnehmen, haben wir weniger Mühe, wenn zum Beispiel in Konzil dem Glauben ein neues Gewand gibt.
Das Bild vom Gewand des Glaubens finden wir auch bei Madeleine Delbrèl, die 1964 im Alter von 60 Jahren starb. Sie war eine französische Schriftstellerin und katholische Mystikerin. Madeleine Delbrèl meint, der Glaube «wie eine arme Frau». Dazu schreibt sie (ich zitiere sie hier ausführlich): «Jedes Volk, jede Kultur und jedes Zeitalter schenken ihr ein Kleidungsstück. Wenn die Zeiten sich wandeln, ist ihr Gewand abgetragen. Sie muss neue Kleider bekommen, wenn sie sich nicht im Keller verstecken will. Aber ein Kleid ist ein Kleid und nicht sie selbst. Wenn das Kleid gewechselt wird, bleibt sie selbst unverändert. So ist es auch mit dem Glauben.»
So lade ich Sie/lade ich uns zum Schluss ein: Öffnen wir uns für den Geist Gottes, schon heute, nicht erst an Pfingsten. Und lassen wir uns vom Geist immer tiefer in die Wahrheit Jesu Christi einführen.
Betagtenzentrum Wesemlin, Sa 16.30 Uhr; Klosterkirche So 7.30, 10.00 Uhr

24. Mai 2014 | 19:30
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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