Walter Ludin

Archaische Zwänge in der Liturgie; und: Kampf gegen Messen mit eingebauter Laudes/Vesper

Im archaischen Denken der Naturvölker konnten die bösen Mächte durch Worte bezwungen werden. Dabei hatte man sich sklavisch an den vorgegebenen Wortlaut zu halten.
«Der Ritus musste bis ins letzte Detail auf die von der Tradition vorgeschriebene Weise vollzogen werden. Der Offiziant durfte nicht die kleinste Handlung unterlassen und den Text nur in der überlieferten Weise hersagen. (Willy Obrist in seinem bereits 1980 erschienenen Buch «Die Mutation des Bewusstseins»)
Ich erinnere mich an einen lieben Mitbruder, der jeden Psalm privat betete, wenn er im Chorgebet durch Stille oder ein anderes Gebet ersetzt worden war. Der Mann ist gestorben, aber eine solch legalistische Vorstellung lebt leider am rechtesten Rand der Kirche weiter.
In diesen Kreisen wurde neulich ein neuer liturgischer Sündenfall entdeckt: die Messfeiern mit eingebauter Laudes oder Vesper. Wir haben eine solche am Mittwochmorgen. Nun bleiben ihr einige alte Damen fern, weil es «keine richtige Messe» ist. Sogar im Juniorat eines Ordens in Deutschland laufen die jungen Brüder Sturm gegen eine solche Messe. Kann mir jemand melden, in welchem Blättchen solche Ideen beworben wurden? Es kann ja keine Zufall sein, dass die erwähnte Praxis, die seit Jahren an vielen Orten besteht, plötzlich als irrgläubig angesehen wird.

12. Mai 2014 | 01:16
von Walter Ludin
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