Wie Jesus/Franz von Assisi ungehorsam war
Eine sehr differenzierte Sicht über den Gehorsam Jesu äusserte Abt Reinhold Dessl vom Zisterzienserstift Wilhering (Oberösterreich).
Vorbild sei Jesus, erklärte Dessl: Ohne den «ungehorsamen Jesus ideologisch vereinnahmen» zu wollen, finde er die Freiheit Jesu gegenüber der religiösen Autorität von damals «faszinierend» und beispielgebend auch für heute. Freilich kenne Jesus auch den tiefen Gehorsam seinem Vater gegenüber bis zum Tod am Kreuz – «der grösste Ausdruck seines abgrundtiefen Vertrauens».
Und wie steht es mit Franz von Assisi? Uns Kirchenreformern haben konservative Brüder schon öfters vorgeworfen, Franziskus sei ein Vorbild des Gehorsams. Niemals hätte er wie wir die Kirche kritisiert.
Dazu mein Mitbruder Niklaus Kuster, ein hervorragender Kenner der franziskanischen Spiritualität Anfang Januar seinem Vortrag an einer Veranstaltung der Tagsatzung.
Bruder Niklaus ging fand eine ganze Reihe Beispiele dafür, «wie Franz von Assisi die Kirche kritisierte». Dazu gehört der Umgang des Heiligen mit der Propagierung des Kreuzzuges von Damiette (1217- 1221). Während die Kirchenleitung jedem mit Exkommunikation drohte, der sich nicht hinter dieses Unternehmen stellte, distanzierte Franziskus sich davon und ging in friedlicher Absicht zum Sultan von Ägypten.
Ein anderes Beispiel: Während Jahrzehnten kämpften die Schwestern der heiligen Klara gegen den Papst und die Kurie für ihr Privileg, arm und ohne Eigentum zu leben. Zeit seines Lebens verbündete Franziskus sich mit dieser – wie Kuster sie nannte – «Frauenkirche von San Damiano».
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