Walter Ludin

Wo bleibt die reformbewegte kirchliche Jugend?

Jedes Treffen von reformbewegten Gläubigen (z. B. Tagsatzung) ist für mich eine grosse Ermutigung. Aber wenn ich jeweils in die Runde schauen, wird mir etwas bange. Lauter ergraute Häupter, nur ganz wenige jüngere Menschen (unter 50 …). Wie soll es weitergehen. Auch das bereits am Samstag hier erwähnte Treffen von Delegierten von Reformgruppen (Wir sind Kirche BRD und Österreich, usw.) stellte sich dieser Frage; und machte dazu konstruktive Vorschläge:
 
Jugend und gelebte Reformpraxis
Wir Reformgruppen haben den Kontakt zu jungen Menschen weitgehend verloren. Die Jugendlichen kennen häufig weder das 2. Vatikanische Konzil noch interessieren sie sich für unsere internen Reformdiskussionen. Ihre Fragen berühren nicht mehr den von uns beklagten Kirchenzustand, sie sind grundsätzlicher. Doch wir entdecken die Werte, für die wir eintreten, bei ihnen oft in säkularer Form als Eintreten für die Menschenrechte, für die Gleichheit und die gleiche Würde aller, für Frieden und Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt. Wenn Kirche sich dem nicht öffnet, läuft sie Gefahr, dass sie bewegungsunfähig wird oder zur Sekte schrumpft.
Wir können junge Menschen mit unseren Reformdiskussionen nicht überrollen. Allerdings müssen wir ihnen Räume und Möglichkeiten eröffnen, die Botschaft Jesu zu hören und ihre eigene Vorstellung von Leben zu verwirklichen. Dazu gehört die Gelegenheit, gemäss ihrem Frage- und Hoffnungsstand eigene Gottesdienste zu gestalten Vielleicht sind ihre Anliegen nicht mehr in einem religiösen Gewand formuliert, aber existentiell und auf ihre politische Zukunft hin orientiert. Hier müssen die Reformgruppen lernen, ihre eigenen Grenzen zu erkennen und sich mit einer Spiritualität auseinanderzusetzen, die sich den Erwartungen junger Menschen öffnet.
 
 

3. Februar 2014 | 01:38
von Walter Ludin
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