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Weihnächtliche Qualität der Bibel

Serie: Weihnachten – 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (3)Das Konzil hat neben der Liturgie auch den Zugang zur Bibel tiefgreifend erneuert. Die Bibel ist keine Sammlung von unfehlbaren Gotteswahrheiten und schon gar kein Steinbruch, aus dem man herausnimmt, was nötig ist, um die Dogmen und die Morallehre der Kirche zu begründen oder zu illustrieren. Die Heilige Schrift ist ein «Gespräch» Gottes mit den Menschen. Ja das Konzil hält ausdrücklich fest, dass die Bibel weihnächtliche Qualitäten hat: In der Heiligen Schrift offenbart sich, wie Gott sich auf die Menschen einlässt. «damit wir die unsagbare Menschenfreundlichkeit Gottes kennenlernen». «Denn Gottes Worte, durch Menschenzunge formuliert, sind menschlicher Rede ähnlich geworden, wie einst des ewigen Vaters Wort durch die Annahme menschlich-schwachen Fleisches den Menschen ähnlich geworden ist» (DV 13).
Als Gotteswort in Menschenwort ist die Bibel zeitbedingt – und verwendet höchst unterschiedliche Formen und Gattungen der Rede und des Schreibens. Sie ist in dem Geist auszulegen, in dem sie verfasst wurde. Glaubenserzählungen sind keine Tatsachenberichte – und wer die Geburt Jesu «aus der Jungfrau Maria» verstehen will, soll nicht gynäkologische Bücher studieren sondern fragen, was die Bibel und die damaligen Kulturen für Werte und Qualitäten mit «Jungfräulichkeit» verbanden. Wer die Bibel liest, darf seine Vernunft gebrauchen, soll kritisch fragen und die Ergebnisse historischer und literarischer Forschung zur Kenntnis nehmen. Das Buch der Bücher und damit auch die Deutungshoheit über die biblischen Weihnachtgeschichten gehört nicht dem Klerus, sondern steht allen weit offen. Die Botschaft von Weihnachten prägt seit dem Konzil auch das Bibelverständnis: Das menschliche, das historische, das zeitbedingte, das alltägliche macht weder Jesus, noch die Bibel, noch unser eigenes Leben weniger göttlich. Im Gegenteil gilt: Je menschlicher, desto göttlicher – je göttlicher, desto menschenfreundlicher.(Daniel Kosch; vgl. Daniel Kosch: Weihnachten – 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In: SKZ 180 [2012] 827–829)

28. Dezember 2012 | 00:57
von Konzilsblogteam
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