Walter Ludin

Mein Neujahrs-Vorsatz für 1960 (Jahreszahl ist kein Tipfehler...)

 Der Franziskaner Josef Imbach, gleich alt wie ich, erinnert sich an die religiöse Erziehung, die wir rund 60 Jahren erhalten haben:
 »Vor über sechzig Jahren habe ich im Katechismusunterricht gelernt, wozu wir «auf Erden sind», nämlich «um Gott zu dienen, ihn zu lieben und um einst in den Himmel zu kommen». Diese Antwort entsprach dem damaligen Religionszeitgeist, der, unbiblisch und ungeschichtlich, nur das Himmelreich im Blick hatte und ausschliesslich das Seelenheil im Auge behielt. Heute frage ich mich, wie man bloss vergessen konnte, dass das Heil den ganzen Menschen betrifft, in seiner geistigen, seelischen und leiblichen Verfasstheit.»
Ich erinnere mich an ein frommes Bildchen, das ich immer noch aufbewahrt habe:
«Jahresvorsatz für 1960»
·       Ich will mit Andacht dem Hl. Messopfer beiwohnen
·       … den Rosenkranz andächtig beten
·       … die Hl. 5 Wunden Jesu mit Ehrfurcht betrachten»
Usw. Kein Wort von einem zwischenmenschlichen Engagement ..
 
Nochmals Bruder Josef:
«…Es ist also nur folgerichtig, dass die Bischöfe heute zu anstehenden politischen Fragen öffentlich Stellung nehmen –, und dass die übrigen Gläubigen sich einmischen, wenn und wo immer Gefahr besteht, dass ein Mensch des Menschen Opfer wird.
Die Kirchen brauchen heute beim Poker der Politiker und Parteien nicht mitzumischen. Aber sie haben das Recht und die Pflicht, sich einzumischen. Da nämlich, wo etwas auf dem Spiel steht, womit man nie und nimmer spielen darf: das Wohl der Menschen.»
 

30. Dezember 2013 | 01:35
von Walter Ludin
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