Walter Ludin

Jüdischer Befreiungs-Theologe: «Juden sind von Opfern zu Tätern geworden»

Nicht nur christliche Sympathisanten des palästinensischen Volkes beklagen dessen Unterdrückung. Auch Juden klagen Israel wegen den Menschenrechtsverletzungen an. Ein jüdischer Befreiungstheologe beklagt, in Israel seien die Juden «von Opfern zu Tätern» geworden. Dazu ein KIPA-Bericht:
Die christliche und muslimische Bevölkerung in den israelisch besetzten Gebieten Palästinas werden systematisch entrechtet, Angst vor Schikanen, Übergriffen und Zerstörung ihrer Häuser sei im Alltagsleben ständig präsent: Darauf hat Bettina Zangl hingewiesen, die als junge Grazer Studentin am «Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel» (EAPPI) teilgenommen hat, das der Ökumenische Rat der Kirchen seit 2002 in der Krisenregion betreibt.
Bei einem Pressegespräch in Wien schilderte Zangl Menschenrechtsverletzungen, die sie bei ihrem mehrmonatigen Friedenseinsatz in der nördlichen Westbank etwa bei nächtlichen Kontrollen der israelischen Checkpoints miterlebte und dokumentierte.
Das Pressegespräch fand im Vorfeld einer EAPPI-Tagung am Samstag in Wien statt, bei der unter die Lupe genommen wird, welche Rolle die abrahamitischen Religionen im israelisch-palästinensischen Konflikt spielen und ob sie zu seiner gewaltfreien Lösung beitragen. Der jüdische Befreiungstheologe Marc Ellis aus den USA, als Tagungsreferent am Podium des Pressegesprächs, ist diesbezüglich skeptisch: Zu profitabel in mehrfacher Hinsicht sei für Israel die Besetzung der Palästinensergebiete, eine nennenswerte und von den Religionen mitgetragene Friedensbewegung in Israel gebe es nicht.
Ellis wandte sich kritisch gegen das Agieren der jüdischen Religionsvertreter, die den Holocaust verdrängt hätten. Als er am Donnerstag am Wiener Heldenplatz auf jenen Balkon blickte, auf dem Hitler nach dem «Anschluss» Österreichs seine menschenverachtendes Politik bejubeln liess, habe er im Blick auf Palästina gedacht, mittlerweile seien «die Juden von Opfern zu Tätern geworden». So lange die palästinensische Bevölkerung politisch derart entrechtet sei, halte er, so Ellis, alle Beschwörungen des gemeinsamen Friedensanspruchs der drei abrahamitischen Religionen für nutzlose Inszenierung.
 

1. Dezember 2013 | 01:07
von Walter Ludin
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