Zürich-Kloten aus ungewohnter Perspektive
Ein orthodoxer Jude bereitet sich im Andachtsraum des Zürcher Flughafens auf sein Gebet vor. Walter Meier, der reformierte Seelsorger, fragt ihn, ob er die Projektion eines Kreuzes ausmachen soll. «Nein, der war auch einer von uns.»
Dies ist eine der 22 Geschichten, welche der Flughafenseelsorger in seinem neuen Taschenbuch erzählt. Es sind amüsante, aber auch ergreifende Begebenheiten. Da treffen wir eine Frau, die sozusagen als Clocharde über zehn Jahre im und um den Flughafen lebte. Oder es geht um eine papierlose Frau, die im Transitbereich völlig unerwartet ein Kind gebiert. Die längste Geschichte handelt vom Russen, der einen Mitarbeiter der Luftüberwachung umbringt, weil er ihn für den Schuldigen am Flugzeugabsturz von Überlingen hält. Am Schluss erzählt Meier vom Swissair-Grounding und seinen Auswirkungen auf das Personal.
Ob heiter oder tragisch: Die Geschichten des Flughafenpfarrers haben sympathisch-menschliche Züge.
Walter Meier: Flughafengeschichten. Jordan-Verlag 2013. ISBN-10:3-906561-53-4, 127 S., ca. Fr. 27.-
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