Warum sind wir undankbar?
«Undank ist der Welten Lohn.» Ich weiss nicht, ob Jesus dieses Sprichwort schon gekannt hat. Sonst hätte er es im heutigen Evangelium zitieren können. Sie haben es gehört: Er heilte zehn Aussätzige. Nur einer hat es ihm gedankt.
Wer von uns hat nicht schon unzählige Male ähnliche Erfahrungen gemacht:
Da haben wir uns angestrengt, eine Arbeit besonders gut zu machen, haben gearbeitet fast bis zum Umfallen. Und niemand nimmt es auch nur zur Kenntnis.
Oder da haben wir uns Mühe gemacht, ein passendes, wertvolles Geschenk ausgewählt und es jemandem per Post zum Geburtstag/auf Weihnachten geschickt. Nicht einmal eine Empfangsbestätigung kam.
In solchen und andern Fällen würde meine Salzburger Freundin Hanni sagen: «Der Dank des Vaterlandes wird dir auf ewig nachschleichen – und dich nie erreichen.»
(…)
Warum sind viele – vielleicht wir alle – so wenig dankbar? Eine Antwort lautet: Weil wir oft alles, was wir sind und haben, als unsere eigene Leistung anschauen. Ein extremes Beispiel habe ich vor vielen Jahren in Guatemala erlebt. Ich besuchte einen Schweizer, der dort eine Fabrik hatte. Stolz führte er mich durch die Gebäude und sagte: «Das alles habe ich mit meinen eigenen Händen aufgebaut.» Wenig später schimpfte er über die Indianer, die «frech» geworden seien. Im Klartext: Sie waren nicht länger mit Hungerlöhnen zufrieden.
Vor allem aber: Der erfolgreiche Schweizer vergass, dass er seinen Erfolg nicht nur seiner Tüchtigkeit/Fleiss verdankte, sondern auch der –eben – schlecht bezahlten Arbeit vieler Einheimischer. Oder wie es Bert Brecht in den «Fragen eines lesenden Arbeiters» so einfach und genial ausdrückte:
Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein? Cäsar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Letztlich aber vergessen wir Gott, den «Spender aller guten Gaben». Was wären wir, wenn er uns das Leben nicht geschenkt hätte? Was wären wir, wenn wir uns nicht eine einigermassen gute Gesundheit geschenkt würde (für manche von uns selbst noch in hohem Alter!)
Eucharistie, die wir feiern, heisst Dank/Danksagung. Eine gute Gelegenheit, Gott wieder einmal von Herzen zu danken.
Elisabethenheim, Luzern; SA 16.30; Spital Wolhusen; So 10.30
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