Der Papst ist kein Revolutionär
«Wie weit sich die Kirche Christi von ihrem Namensgeber schon entfernt hat, wenn Selbstverständliches als Revolution wahrgenommen wird, mag jeder selbst entscheiden.»
So schreibt Christoph Rind im Hamburger Abendblatt unter dem Titel: Der Papst ist kein Revolutionär Aber seine klaren Worte sollten Kleriker erschrecken.»
Seine Bilanz ist recht differenziert. Darum sei sie hier wiedergegeben. Eine andere Sichtweise ist in der Kommentarspalte möglich und willkommen …
Bei keinem der heissen Eisen verlässt der Papst die Grundfesten der offiziellen Glaubenslehre, festgezurrt in einem Katechismus, der manchem Zeitgenossen in Details als vorgestrig erscheint. Dennoch setzt Franziskus eigene Akzente, in denen er sich stark von seinem Vorgänger abgrenzt, auch wenn er sonst jede Gelegenheit nutzt, um einen solchen Eindruck erst gar nicht aufkommen zu lassen.
Franziskus-typisch ist seine eigene Perspektive, aus der er die Welt wahrnimmt. Er ist eben kein Gelehrter, kein Professor, kein Dogmatiker der reinen Lehre, sondern Seelsorger mit Leib und Seele, eine Art Armenpriester. Zwar würde er niemals für die Homo-Ehe kämpfen, aber ihn berühren die persönlichen Nöte vieler Betroffener, die sich wegen ihrer Homosexualität von der Mutter Kirche verstossen fühlen. Franziskus wird auch nicht die Priesterweihe für Frauen anpeilen, dennoch fordert er unverblümt: «Die Räume einer einschneidenden weiblichen Präsenz in der Kirche müssen weiter werden.»
Seine Antennen für die Unzufriedenheit, insbesondere unter Katholiken in Deutschland und Europa, funktionieren: «Das Volk Gottes will Hirten und nicht Funktionäre oder Staatskleriker.» Allein dieser Satz könnte römische Kurienmitglieder mächtig erschrecken und deutsche Bischöfe nachdenklich stimmen, die ihre Bistümer unter dem Druck des Priestermangels zwar radikal umorganisieren, dabei aber die Seelsorge aus dem Blick verlieren.
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