Wie ist Papst Franziskus (bisher) einzuschätzen?
«Nun ist mit grösster Aufmerksamkeit zu beobachten, wie der neue Papst sein Mandat wahrnimmt.» So schreibt H. Kohlmaier weiter im bereits gestern zitierten Beitrag. Es wurde zwar schon viel – zu viel? – geschrieben über die Amtsführung von Papst Franziskus. «Kohlis» Bemerkungen scheinen mir dennoch lesenswert. Ein Auszug:
«Ganz eindeutig tritt hervor, dass es ihm um eine authentische Nachfolge Jesu geht. Er will gleichsam alles abstreifen, was rund um diese ureigenste Aufgabe des Christentums wucherte und den Blick auf die Frohbotschaft verstellt. Den deutlichsten Schwerpunkt setzt er mit der Zuwendung zu den Armen …
Demonstrativ gelebte Bescheidenheit wird eindrucksvoll und glaubwürdig sichtbar, demütiges Zugehen auf den Nächsten ohne Barrieren und ohne Distanz einer Würde des Amtes.
Aber er ist in seinem Amt nicht nur persönliches Vorbild, sondern er muss mit seinem Reden und Handeln auch sichtbar machen, wie er den Petrusdienst als höchstes und ganz massgebliches Amt der Kirche versteht. Schon in den wenigen Monaten nach seiner Wahl hat er dazu Aussagen von grösster Gewichtigkeit getätigt, mit denen er unübersehbare Korrekturen vornahm – offenbar eben in der Absicht, das zu überwinden, was er in seiner programmatischen Rede als Gefahr für die Kirche ansprach.
Auf mehrfache Weise hat er das Amt des Papstes jener Attribute entkleidet, die bisher sorgfältig gepflegt wurden und es in unzugängliche Höhen befördern sollten. Schon dass er sich Bischof von Rom nennt, bekundet ein Amtsverständnis, das gleichsam von ehrfurchtgebietender Höhe zur Kollegialität in der Gemeinschaft vieler Verantwortlicher herunter steigt. Alle Bischöfe hätten, wie der Papst sagte, die gleiche Aufgabe wie er, nämlich die Hingabe an das Evangelium6. Bischöfe seien nicht Posteninhaber, sondern müssten ‹in der Mitte der Herde wandern›. Grosse Theologen und schlaue Köpfe seien auf den Universitäten besser aufgehoben.
In diesem Zusammenhang verwendet er Worte, die man von einem Papst bisher niemals hatte hören können. ‹Wir sind alle gleich. Und wenn einer kommt und sagt: Herr Papst, sie haben doch nicht den gleichen Rang wie ich, dann sage ich: Doch, den habe ich. Ich bin einer von euch›. …
Die Kirche brauche offene Türen und keine ‹Kontrolleure des Glaubens›.
Wie ein roter Faden durchzieht die Ansprachen des Papstes, dass er Gehorsam nur gegenüber Gottes Willen für richtig hält. Man dürfe sich dem Heiligen Geist nicht widersetzen, denn er führe zur Freiheit der Kinder Gottes. Die Nachfolge Christi dürfe kein Joch bedeuten, denn der Mensch werde durch die Gnade Gottes gerettet. Es sei vor einem übersteigerten Moralismus zu warnen, vor der Versuchung, Puritaner zu werden.
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