Walter Ludin

Wie ich mit dem Auto Zeit verliere

«Ich fahre lieber Auto»
Nehme ich den Zug? Oder fahre ich gescheiter mit dem Auto? Wenn es um die Wahl des Verkehrsmittels geht, schalten viele den Verstand aus und reagieren emotional.
Eine kleine Kopfrechnung, die auch für mathematisch dürftig Begabte wie ich einer bin, lösbar ist: Für eine bestimmte Strecke brauchen Sie mit dem Zug drei Stunden. Mit dem Auto sind Sie in zwei Stunden am Ziel. Mit welchem Verkehrsmittel verschwenden Sie mehr Zeit?
Die Lösung ist scheinbar banal: 3 ist grösser als 2. Als bekommt das Auto den Vorzug! In einigen Fällen mag diese Überlegung richtig sein: Wenn Sie möglichst bald am Ort sein müssen.
1 Stunde gewinnen …
Doch ich rechne gewöhnlich anders. Wer im Zug sitzt, kann es sich bequem machen: lesen, schlafen oder wenigstens dösen und neuerdings sogar mit dem Laptop ein fahrendes «Heimkino» geniessen. Oder er kann fleissig sein, Akten studieren, von Hand oder mit dem Computer Texte verfassen. Fachleute sagen darum: «Reisezeit ist Nutzzeit.»
Wer aber Auto fährt, muss sich auf die Strasse konzentrieren. Oder bleibt im Stau stecken. Was in beiden Fällen stressig ist! Im Klartext: Der Autofahrer verwendet zwei Stunden für die Fahrt – und kann dabei nicht viel anderes tun. Wer hingegen Zug oder Bus fährt, kann die drei Stunden reproduktiv oder produktiv verwenden.
… oder 2 verlieren?
Es ist also Selbsttäuschung, wenn man meint, mit dem Auto gewinne man eine Stunde. Vielmehr verliert man im Vergleich zur Fahrt mit dem Öffentlichen Verkehr/ÖV zwei Stunden. Und auch das noch: Das Auto ist ein verhältnismässig unsicheres Verkehrsmittel.
Was ist teurer?
Auch gescheite Leute, welche die Fahrkosten für ÖV und Auto miteinander vergleichen, machen oft eine Milchmädchenrechnung. Sie stellen das «teure» SBB-Billet dem «billigen» Auto gegenüber, indem sie für dieses nur das Benzin berechnen. Aber Moment mal: Selbst der autofreundliche Touring Club der Schweiz/TCS erinnert daran, auch die Fixkosten müssten einbezogen werden. Zu diesen festen Kosten zählt er «Abschreibung, Kapitalverzinsung, Verkehrssteuer, Haftpflichtversicherung, Teilkasko, Nebenauslagen, Garagierungskosten, Fahrzeugpflege.»
In einer Tabelle kommt der TCS für den teuersten Wagen sogar auf die schöne Summe von CHF 3.50 pro Kilometer. Im Allgemeinen aber berechnen die Firmen ihren Mitarbeitenden einen Kilometerpreis von 70 Rappen bis zu einem Franken. Die Bahn kostet weniger, zumal die meisten ja ein Halbtax-Abo haben!
Am günstigsten schneidet der Vergleich für Pendler mit einem Generalabonnement/GA ab. Ein Beispiel: Wer zwischen Zürich und Bern pendelt, gibt für die Fahrzeugkosten etwa zehn Mal mehr aus als für das GA 2. Klasse.
Walter Ludin
PS. Dazu käme noch die Umweltbelastung. Doch dies ist ein anderes Thema; ebenso der Flugverkehr mit seinen Dumpingpreisen.
Aus dem Franziskuskalender  2014     http://www.kapuziner.ch/index.php?&na=5,3,0,0,d

17. September 2013 | 01:50
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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