Konzilsblogteam

Reanimation der Erklärung über die Juden

Im Jahr 1960 bemüht sich der französische jüdische Historiker Jules Isaac, 84jährig, um eine Audienz bei Papst Johannes XXIII. und bittet ihn um eine kirchliche Klärung falscher und ungerechter Aussagen gegen Israel, damit von der Spitze der katholischen Kirche aus antisemitische Tendenzen eindeutig verurteilt würden. Ein Gespräch mit Kardinal Bea schliesst sich an. In der Folge erteilt Papst Johannes XXIII. dem Sekretariat für die Einheit den Auftrag, eine konziliare Erklärung über die Beziehungen der Kirche zum jüdischen Volk vorzubereiten. Doch führt der Widerstand arabischer Staaten dazu, dass die entsprechende Vorlage im Juni 1962 aus dem Programm des Konzils gestrichen wird.
Kardinal Bea lässt indes nicht locker. Im Dezember 1962 legt er Papst Johannes XXIII. ein Memorandum vor, in dem er die Argumente für die Dringlichkeit einer Erklärung über die Juden darlegt. Schon nach wenigen Tagen, am 13. Dezember 1962, antwortet Papst Johannes XXIII. ihm eigenhändig.
«Wir haben diesen Bericht von Kardinal Bea mit Aufmerksamkeit gelesen und teilen vollkommen dessen tiefen Ernst und die auf uns liegende Verantwortung, sich dafür einzusetzen» (zit. nach Schm 644). Sein Votum endet mit einer Bitte aus dem Te Deum – Zeichen dafür, «dass die ‹Judenerklärung› für ihn, den menschlichsten aller Päpste, nicht nur eine Herzensangelegenheit, nicht nur eine Sache der Menschlichkeit war, sondern darüber hinaus ein Akt des Glaubens und ein Werk der Frömmigkeit» (Johannes Oesterreicher: Kommentierende Einleitung [zu NA]. In: LThK2 13 [1967] 406-487, 428).
Mit diesem Brief setzte Papst Johannes XXIII. das Thema wieder auf die Tagesordnung des Konzils und wurde «dadurch zum zweiten Mal der wahre geistliche Vater des künftigen Konzilsdokuments» (Schm 645). In der zweiten Konzilsperiode wird Kardinal Bea die Vorlage über «Die Haltung der Katholiken zu den Nichtchristen und hauptsächlich zu den Juden» vorstellen – die Keimzelle der späteren Erklärung Nostra Aetate.(emf)

13. Dezember 2012 | 00:17
von Konzilsblogteam
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