Ferienpredigt mit «metaphysischem Gruseln»
Sommerzeit – Ferienzeit – Hitzezeit: Sollten wir da nicht Predigtferien oder Hitzeferien machen? Nun, eine Predigt ist für heute trotz allem vorgesehen. Ich versuche, sie nicht allzu langweilig zu gestalten.
Zuerst etwas zur ersten Lesung des so genannten Kohlet, einem Prediger, der etwa zwei Jahrhundert vor Jesus gelebt hat. Er gilt als Pessimist; wir können auch sagen: als Existenzialist. Der Mensch ist ins Da-Sein geworfen, in ein weitgehend sinnloses Da-Sein. Oder wie es am Anfang der heutigen 1. Lesung heisst: «Nur ein Windhauch, nur ein Windhauch, alles ist nur Hauch.»
Wir können daraus zwei ganz banale Folgerungen ziehen:
Alles geht vorüber. Oder wie es ein weiser Mensch ausgedrückt hat: Wenn etwas schief geht/dich etwas ärgert, überlege, wie die Sache in einem Jahr aussieht. Vielleicht haben wir es schon längst vergessen; oder wir erzählen jemandem schmunzelnd davon – und können gemeinsam darüber lachen.
«Alles nur ein Windhauch». Anders ausgedrückt: Wir nehmen vieles zu wichtig. Wenn jemand jammert oder aus einer Mücke einen Elefanten macht, sagt ein Freund von mir jeweils: «Intergalaktisch betrachtet ist das alles nicht so wichtig.»
Ich habe diese Erfahrung in meinen Ferien auf Kreta gemacht (wo ich jeweils nicht nur als Tourist, sondern auch als Touristenseelsorger bin). Es war eine tolle Szenerie (es tönt fast kitschig, wenn ich sie beschreibe): Hinter mir die imposanten Ruinen einer vielleicht 600 oder 700jährigen venezianischen Festung; vor mir das leise rauschende Meer; über mir die hell leuchtende Milchstrasse. Es war kurz vor Ende meiner Ferien. Unwillkürlich musste ich an das denken, was zuhause auf mich wartete: vor allem an die zahlreiche eingegangene Post. Plötzlich aber kam mir die Erleuchtung und ich fragte mich angesichts der Millionen von Sternen: Ist es wirklich so wichtig, ob ich 30 cm, einen halben oder einen ganzen Meter Papier zum Verarbeiten auf meinem Pult habe. Oder eben: Intergalaktisch gesehen ist das ganz und gar unwichtig.
Wenn wir schon beim Weltall sind: Vorgestern las ich von einem geradezu unheimlichen Vergleich: Wenn wir für jeden der Abermilliarden von Sternen, die es gibt, eine kleine Glaskugel/Murmel hätten, könnten wir damit die gesamt Erdoberfläche bis zur Höhe des Mount Everests bedecken.
Um mit Mani Matter zu sprechen: Da überfällt uns doch das metaphysische Gruseln.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


