«Den Protestanten geht's nicht besser.»
Kardinal Walter Kasper verwies am Eucharistischen Kongress in Köln auf die protestantischen Kirchen, «die trotz Einführung aller vom Zeitgeist geforderten Neuerungen in der Glaubensvermittlung nicht besser dastünden als die katholische Kirche».
Ich schätze zwar den freundlichen Schwaben. (Als ich mich ihm in Rom mal als Schweizer vorstellte, meinte er jovial: «Dann kann ich Ihnen ja Salü sagen …»). Doch den zitierten Hinweis finde ich nicht sehr realistisch. Als ehemaliger Chef der vatikanischen Ökumene muss er doch die unterschiedliche «Befindlichkeit» der beiden Kirchen kennen. Die Kirche als «Vermittlerin» spielt bei den Protestanten kaum eine Rolle – die Kirche ist somit nicht so wichtig wie den Katholiken die katholische. Dies zeigt sich offensichtlich, dass schon vor der allgemeinen «Kirchenkrise» der Kirchgang bei den Protestanten viel weniger üblich war.
Was soll also der undifferenzierte Vergleich?
Weiter in Kaspers Text:
Die Kirche brauche eine «Wende in der Theologie und in der Seelsorge», erklärte der Kardinal und forderte unter anderem eine radikal verbesserte Vorbereitung der Kinder auf die Sakramente und eine Rückkehr zur Beichte. Der Verfall dieses Sakraments der Barmherzigkeit sei eine der «tiefen schwärenden Wunden am Leib der Kirche».
Vorausgegangen war die Warnung, wieder über die zentralen Fragen (Gott, Christus) zu diskutieren. Sprich: Weniger über strukturelle Fragen wie den Zölibat. Na ja, wenn der Zwangszölibat weiterhin verhindert, dass es genügend Priester gibt, wer soll dann in die Beichtstühle sitzen. Etwa 80-jährige Kardinäle?
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