Politik: soll die Kirche schweigen?
Nach dem letzten Sonntag fühlen sich viele bestätigt: Die Kirche soll sich nicht in die Politik einmischen. Sie hat eh keine Chance.
Es stimmt leider, dass die Stimme der Kirche im politischen Geschäft kaum noch gehört wird. Aber wie hiess es doch einmal so schön: «Du hast keine Chance. Nutze sie. Oder etwas ernsthafter und biblisch: «Sprich, sei es gelegen oder ungelegen.»
Es gibt zwar (auch in landeskirchlichen Kreisen, die ich sonst sehr schätze) Auffassungen, wer im Namen der Kirche sprechen wolle, dürfe nicht bürgerliche Kreise – sprich: gute Steuerzahler- vergrämen. Dazu habe ich in einer Sitzung mal daran erinnert: Bezugspunkt kirchlichen Sprechens ist nicht die Mehrheitsmeinung, sondern das Evangelium.
Nochmals zur Grundsatzfrage: Soll kirchliches Personal gefälligst in politischen Fragen das Maul halten? Es gilt wohl auch für die Kirche, was Luise Rinser bereits 1985 in einem ihrer Tagebücher über das politische Engagement von Schriftstellern notiert hat:
«Was fällt den Schriftstellern ein, diesen Falsch-Träumern? Sie sollen die Politik gefälligst den Berufspolitikern überlassen.
Ja, liebe Freunde, das taten wir schon einmal: 1933. Und eure Väter sassen dann im KZ, und eure Mütter hockten in Luftschutzkellern oder sie stahlen Lebensmittel, um euern Hungern zu stillen. Nachher lagen euere Städte in Trümmern. Weil wir geschwiegen haben. Wenn wir jetzt schweigen, wenn ihr jetzt schweigt. Was wird dann?»
Es ging damals um die Nachrüstung. Grundsätzlich lassen sich Rinsers Überlegungen auf alle Bereiche anwenden, in denen die Menschenwürde auf dem Spiel steht. Zum Beispiel im Asylwesen …
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