Suenensplan vom 4. Dezember 1962 – ein Gesamtplan für das Konzil: Mission der Kirche ad intra und ad extra
Heute war der grosse Tag von Kardinal Suenens, des Erzbischofs von Mecheln-Brüssel und späteren Konzilsmoderators. Bereits im April 1962 hatte er mit Papst Johannes Kontakt aufgenommen und ihm einen Gesamtplan für das Konzil unterbreitet. Die Arbeiten sollten sich um das Thema Kirche zentrieren: Ecclesia, quid dicis de teipsa? Das Konzil sollte dabei entlang des Missionsauftrags Jesu in Mt 28,19-20 in zwei Richtungen blicken: «Auf dem Konzil muss […] eine doppelte Reihe von Fragen bearbeitet werden. Eine erste Serie, die sich auf die Kirche ad extra bezieht, das heisst auf die Kirche im Angesicht der Welt von heute. Und eine zweite Serie, die sich auf die Kirche ad intra bezieht, das heisst auf die Kirche als solche – und zwar mit Blick auf das, was ihr dabei hilft, ihrer Mission in die Welt besser gerecht zu werden.» Papst Johannes XXIII. machte sich diese Perspektive zueigen und griff in seiner Radioansprache vom 11. September nicht nur Suenens’ Unterscheidung ad intra und ad extra auf, sondern auch das genannte Schriftzitat. Mit ausdrücklicher päpstlicher Billigung brachte Kardinal Suenens schliesslich am 4. Dezember 1962 seinen Plan in der Konzilsaula ein – ein Tag, an dem auch die Kardinäle Montini und Frings wichtige Reden hielten – und eröffnete dem Zweiten Vatikanum damit eine generelle Perspektive, deren konzilstheologische Weiterentwicklung schliesslich in der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute ihren Höhepunkt finden sollte: «Es geht darum, […] die ganze Kirche in einen Zustand der Mission zu versetzen.» Hans-Joachim Sander deutet diesen Begriff, den M.-Dominique Chenu bereits 1946 geprägt hatte, im Rahmen des Suenensplans: «Die Kirche […] wendet sich dem Grundvollzug zu, der sie davor konstituierte: der Mission […]. […] Mit der Epochenschwelle in die nachkonstantinische Ära ist […] ein grundlegender Perspektivenwechsel verbunden[…]. Wurde zuvor das Aussen vom Innen her beurteilt, so wird das Innen nun vom Aussen her erneuert. […] Statt für Kreuzzüge gegen innere und äussere Feinde entscheidet die Kirche sich für Solidarität […] mit jenen Menschen, die vor den Toren der Kirche lagern.»(Christian Bauer)
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