Ungehörte bischöfliche (Asyl)Worte
Wetten dass die allerwenigsten Katholiken der Schweiz das Wort der Bischöfe gegen die neueste Revision des Asylgesetzes zur Kenntnis nehmen und sich danach richten!
Eine gewisse Tragik liegt vor: Als die Kirchenvertreter noch einen recht grossen Einfluss auf die Öffentlichkeit hatte, beschäftigte sie sich mit Dingen, über die man heute nur noch müde lächeln kann. Ein krasses Beispiel: Während des 2. Weltkrieges sei im St. Galler Rheintal öfter über die länger der Ärmel der Frauenkleider gepredigt worden als über gerade für diese Gegend höchst aktuelle Flüchtlingsproblematik.
Heute aber, wo es in den kirchlichen Stellungnahmen sehr oft um Wichtiges – so etwa die Menschenwürde geht, ist das Prestige der Kirche verspielt.
Für jene, welche die Stellung der Bischöfe noch nicht gelesen haben, ein kurzer Abschnitt:
«Seit Inkrafttreten des Asylgesetzes 1981 wurden 10 verschärfende Revisionen vorgenommen. An der Tatsache, dass Menschen unter Zwang ihre Heimat verlassen müssen und auch in der Schweiz um Asyl bitten, konnten diese Verschärfungen nichts ändern, betonten die Kirchenvertreter. Erreicht wurde hingegen, dass das Schicksal einzelner Asylsuchender kaum mehr wahrgenommen wird und alle Asylsuchenden unter dem Generalverdacht stehen, sie seien kriminell und nur darauf aus, unseren Sozialstaat auszunutzen.»
Oder anders ausgedrückt: Man müsse die Ängste der Schweizer Bevölkerung ernstnehmen, heisst es heute allenthalben (zu Recht). Dabei vergessen wir die Ängste der Asylsuchenden.
Übrigens: Noch in den 1980er-Jahren hiessen diese «Flüchtlinge». Dann fiel mir zuerst auf, dass in dt. Medien immer öfter von «Asylanten/Asylsuchenden» die Rede war. Bald war dies auch in der Schweiz die gängige Sprachregelung. Bloss ein anderes Wort? Nein, denn:
«Flüchtling ist ein Mensch, der die Heimat verlassen muss, zur Flucht getrieben wird (wie die «Heimatvertriebenen» aus dem Osten, 1945). Asylsuchend lässt den terminus a quo/die Herkunft vergessen und hat nur den terminus ad quem/das Wohin im Auge. Dieses Wohin ist unser Land, das ja uns gehört und das wir nur ungern mit jemandem teilen… Oder sehe ich hier falsch?
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