Walter Ludin

Verheiratete anglikanisch/römisch-kath. Priester

Wo bleiben die Konsequenzen?

Das seltsame Ereignis ist bekannt: Verheiratete Anglikaner dürfen als römisch-katholische Priester wirken. So weit, so gut. Aber wo bleibt da die Konsequenz? Bekanntlich wird ein römisch-katholischer Priester, der heiratet, selbstverständlich «laiisiert» (um dieses theologisch fragwürdige Wort zu gebrauchen). Nun fordern englische Politiker, dass der Papst die Konsequenzen zieht. Warum haben es unsere Bischöfe nicht schon selber getan?
«In Grossbritannien haben katholische Unterhausabgeordnete und Mitglieder des Oberhauses Papst Franziskus um die Zulassung Verheirateter zum Priesteramt gebeten. Sie erinnern in einem Offenen Brief daran, dass seine beiden Vorgänger Benedikt XVI. und Johannes Paul II. «grosszügig die Weihe verheirateter anglikanischer Geistlicher zu römisch-katholischen Priestern gestattet» hätten, wie die Zeitung «Catholic Herald» (Donnerstag) berichtet. In diesem Geist möge auch der neue Papst die Weihe verheirateter Männer ermöglichen.
Unterzeichnet ist das Schreiben laut «Herald» von 14 Abgeordneten des Unterhauses und sieben Adligen aus dem Oberhaus. Sie verweisen auf einen «Verlust viel zu vieler guter Priester» in den vergangenen Jahren. Mit einer Lockerung der Zölibatsvorschriften würden sich nach ihrer Auffassung viel mehr Männer zum geistlichen Amt bereitfinden. Der Pflichtzölibat könne wie in den Ostkirchen auf Kandidaten für das Bischofsamt beschränkt bleiben.
Wenn die Kirche es ernst meine mit der Erneuerung des Glaubens in säkularisierten Gesellschaften, dann müsse eine Priorität die Gewährleistung der Sakramentenspende sein. Dafür müsse es genügend Geistliche geben. Insofern sei, so die Unterzeichner, eine Freigabe des Zölibats «so wünschenswert wie zwingend».

6. April 2013 | 01:54
von Walter Ludin
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