Kirchenferne
Wer ist schuld: Priester/KatechetInnen?
Wir kennen die alte Platte: Dass immer mehr Menschen sich von der Kirche verabschieden, liegt an den unfrommen Priestern und an den «modernistischen» KatechetInnen. Ja, wenn es so einfach wäre, könnten die Genannten sich bessern.
Nun, die Ursachen für die «Kirchenferne» liegen bestimmt anderswo, nämlich in einem gesellschaftlichen Trend, in der Enttraditionalisierung. Im Buch, das ich bereits gestern in meiner Predigt zitiert habe (R. Kunz, C. Kohli Reichenbach: Spiritualität im Diskurs») schreibt der belgische Fundamentaltheologe Lieven Boeve in einem hervorragenden Beitrag im Zusammenhang mit einer «beschleunigten Wende»:
«Enttraditionalisierung sollte als deskriptive Kategorie verstanden werden, die sich auf eine strukturelle Entwicklung bezieht, innerhalb deren Traditionen nicht mehr länger ganz klar als selbstverständlich begriffen werden oder an neue Generationen weitergegeben werden.»
Nochmals (wie bereits in meiner Osterpredigt): Es wäre verhängnisvoll, wenn wir uns damit begnügten, alte Formeln (oder auch den «Wortlaut der Bibel») zu wiederholen. Dann würden die Kirchenlehrer noch mehr zu Kirchenleerern.
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