Walter Ludin

Unerhörter Skandal

Frauen die Füsse waschen

Für die Traditionalisten ist es eine sehr schlimme Sünde: Unter den jugendlichen Gefangenen, denen Papst Franziskus gestern Abend die Füsse wusch, waren zwei Frauen. Unerhört und unerlaubt, rufen die «Papsttreuen».
Der Einsiedler Abt Martin Werlen hat ein noch grösseres «Verbrechen» begangen. Er wusch sogar elf Frauen die Füsse. Eine zwölfte wusch sie ihm.
Ich habs hier schon mindestens einmal geschrieben: Für meinen alten Bekannten Josef Blank, einen anerkannten Bibelwissenschafter, war die grösste Strukturfrage der Kirche: «Wer wäscht dem Papst die Füsse?»  Ich musste damals einige Sekunden nachdenken, bevor ich die Brisanz dieser Frage verstand.
Ein Abt ist zwar kein Papst. Aber Martin hat sich so verhalten, dass Josef B. wohl im Himmel seine helle Freude hätte.

29. März 2013 | 19:00
von Walter Ludin
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