Josef der Gerechte
.. und Kriesgerät, billige Textilien
(Eine Vorbemerkung: In meinem Einsatzplan für diese Woche entdeckte ich mit Erstauen den Hinweis, dass ich heute in Stans um 9.30 Uhr eine Messe haben. Die Messen im Frauenkloster sind doch entweder am Morgen oder am Abend, dachte ich. Doch da machte es bei mir Klick. Es ist der 19. März, also Josefstag, der in Nidwalden immer noch Feiertag ist. Und ich erinnere mich: Als ich in Stans im Internat war, besuchten wir Mitte der 1960er-Jahre die Landsgemeinde. Beim Traktandum «Abschaffung des Josefstages als Feiertag» rief ein bärtiger Volkstribun seine lieben Landsleute – unter Tränen!! –auf: «Nehmt uns nicht unseren Seppitag.»
Ihm verdanke ich es, dass ich heute so überraschenerweise predigen darf).
Im Roman «Die Passion Jesu» des griechischen Bestseller-Autors Nikos Kazantzakis finden wir die Vorstellung, Josef und mit ihm zusammen sein Gehilfe Jesus hätten in ihrer Werkstatt auch im Auftrag der Römer Kreuze hergestellt. Eine etwas absurde Annahme, meine ich. Oder können Sie sich vorstellen, Josef hätte gesagt: «Um Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, müssen wir halt jeden Auftrag annehmen. Wir können uns nicht an moralische Vorstellungen halten.» Ja, wohl undenkbar! (…)
Einesehr zentrale biblische Aussage über Josef:Er war gerecht. – Gerechtigkeit ist in der Bibel ein sehr umfassender Begriff. Er meint viel mehr als wir uns heute darunter vorstellen. Ganz vereinfachend kann man zusammenfassen: Der Gerechte ist ein gläubiger Mensch, der seinen Glauben lebt, auch in schwierigen Situationen.
Schwierig waren die Situationen mehrmals im Leben des heiligen Josef:
Zum Beispiel, wie wir es vorhin im Evangelium gehört haben: Wenn er merkt, dass seine Braut schwanger ist – nicht von ihm. Was tut er? Er ist barmherzig gegenüber Maria und verstösst sie nicht. Eben: weil er gerecht war.
Erlauben Sie mir einen kurzen Rückblick und Ausblick: Das Thema Barmherzigkeit wie Gerechtigkeit wird uns in der Kirche in der Zukunft noch oft begleiten. Denn es ist für unseren neuen Papst Franziskus sehr wichtig. Wie Franz von Assisi stellt er sich an die Seiten der Armen, der Benachteiligten. Darum hat er auch seinen Namen gewählt.
Und ich befürchte, dass Franziskus gerade uns Gläubigen im reichen Europa Dinge sagen wird, die uns nicht gefallen, die uns herausfordern. Ich kann nicht weissagen, doch ich kann mir zum Beispiel zwei Problemfelder, die er behandeln wird, sehr gut vorstellen:
Da ist einmal das Thema Frieden, das er ja schon mehrmals angesprochen hat. Es geht hier um unsere Beiträge für Krieg oder Frieden; etwa, wenn wir in Krisengebiete Waffen und anderes Kriegsgerät verkaufen. Hier hört man öfters: «Hört mit euerer Moral auf. Es geht um Arbeitsplätze.» Darf ich hier nochmals an Josef erinnern und die absurde Feststellung, er hätte Kreuze fabriziert, um Arbeit zu haben? ich will hier nicht konkreter werden. Sonst gibt’s Streit … (Für unsere ausländischen Blogleser: In Stans werden die Pilatusflugzeuge hergestellt, die u.a. in Guatemala, Mexiko gegen die arme Bevölkerung eingesetzt wurden!!!)
Und da ist das Thema Konsumverhalten, das Papst Franziskus sicher in prophetischen Stellungnahmen behandeln wird. Wir bedauern es zwar, wenn in Asien Dutzende oder Hunderte von Textilarbeiterinnen brutal ums Leben kommen, weil die Sicherheitsmassnahmen aus Gewinngründen missachtet werden. Doch wir kaufen gedankenlos billige Textilien, die unter solchen unmenschlichen Bedingungen produziert werden.
Nur noch diese eine Frage: Können wir uns vorstellen, dass Josef, der gerechte, in seinem Betrieb den Arbeitern Hungerlöhne bezahlt hat?
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