Suche nach Wegen aus der Sackgasse
Am 18. November 1962, auch vor 50 Jahren ein Sonntag, findet auf Einladung von Bischof Hermann Volk ein Treffen einiger deutschsprachiger und französischer Bischöfe sowie belgischer, deutscher, französischer und holländischer Theologen statt. Bischof Volk unterstreicht den privaten Charakter der Zusammenkunft, die dazu dienen soll, nach Lösungen aus der Sackgasse zu suchen, in der das Konzil sich befindet. Volk macht dafür vor allem drei Missverständnisse verantwortlich (vgl. Lu 1,322f):1. Der Begriff «pastoral» zur Bezeichnung des Anliegens des Konzils vermindere nicht die lehrmässige Reichweite des Konzils.2. Kritik an den Konzilsvorlagen als zu «scholastisch» greife nicht die Scholastik als solche an, doch müssten in die Konzilsvorlagen manche Elemente des Glaubens eingebracht werden, die nicht in die theologische Schulsprache der Scholastik übersetzbar seien und trotzdem notwendig in die Lehre aufgenommen werden müssten.3. Beim ökumenischen Anliegen gehe es nicht darum, die Lehre zu verdünnen, um sie für andere Konfessionen akzeptabel zu machen. Vielmehr sei das Ziel der ökumenischen Ausrichtung die Ganzheit des Katholischen, von dem die getrennten Brüder wichtige Elemente aufbewahren.In der sich entspinnenden Diskussion wird auch über die Interventionen des Heiligen Offiziums gesprochen. Es habe in Texte eingegriffen und Veränderungen eliminiert, damit aber die Hierarchie der Autoritäten verletzt: Das Heilige Offizium ist dem Konzil untergeordnet und nicht umgekehrt (vgl. Lu 1,324).P. Yves Congar OP, der zwar bei der Versammlung nicht anwesend ist, aber am Abend desselben Tages mit zwei der Teilnehmenden, Bischof Léon Arthur Elchinger und P. Henri de Lubac SJ, zusammentrifft, fasst das Problem so zusammen: «Der Anspruch des Heiligen Offiziums ist es, das Konzil zu kontrollieren und zu beurteilen. Doch die Ordnung muss gerade umgekehrt sein. Es ist unvermeidlich, dass der Konflikt eines Tages auf dem Konzil ausbricht» (Co 1,235).(emf)
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