Walter Ludin

Laien ...

… Beichtväter und BeichtmütterVieles darf es in der Kirche nicht geben, weil es so etwas noch nie gegeben hat. Meint die Kirchenleitung. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf, Münster, erinnert in einer Radiosendung an Praktiken, die es trotz obiger Behauptung einmal gegeben hat – und darum auch morgen geben kann und darf. Beginnen wir mit der «Laien-Beichte»:«Für das heutige Amtsverständnis steht außer Frage, dass die Vollmacht der sakramentalen Sündenvergebung an die Priesterweihe gebunden ist und durch die Weihe objektiv übertragen wird. Das war aber in der Geschichte der Kirche nicht immer so. Vielmehr gab es in der iroschottischen Kirche des Frühen Mittelalters ein Alternativmodell, das die Einheit der Kirche mit Rom nicht gefährdet hat. In Irland gab es, anders als auf dem Festland, keine Städte und deshalb keine bischöfliche Struktur. Es handelte sich vielmehr um eine klösterlich geprägte Kultur. Hier wurde interessanterweise auch die Einzelbeichte erfunden, die so oft wie möglich wiederholt werden konnte. ….In Irland erfolgte die Lossprechung nicht durch einen geweihten Priester. Vielmehr kam die Vollmacht zur Sündenvergebung Mönchen und Nonnen zu, die sich durch die Radikalität ihrer Askese, die Radikalität ihrer Christusnachfolge einen so großen Gnadenschatz im Himmel erworben hatten, dass sie einen Überschuss hatten, den sie selber für ihre eigene Erlösung nicht brauchten und deshalb an andere Sünder weitergeben konnten. Von diesem Überschuss konnten sie anderen, weniger vollkommenen Christen im Akt der Sündenvergebung etwas abgeben. Die Kompetenz zur Sündenvergebung wurde in der iroschottischen Kirche also nicht objektiv durch eine sakramentale Weihe übertragen und wirkte auch nicht unabhängig vom Gnadenstand des Spenders. Vielmehr hing die Kompetenz zur Lossprechung ganz subjektiv von der Qualität der Christusnachfolge des Mönches und der Nonne ab. Also vergaben Männer und Frauen, die Christus besonders intensiv nachfolgten, die Sünden sakramental, und nicht geweihte Priester.»

30. Dezember 2012 | 01:53
von Walter Ludin
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