Walter Ludin

Weihnachten

Das Fest grenzenloser BarmherzigkeitWir sind hier zusammengekommen, um miteinander unsere weihnachtliche Freud zu feiern. Trotz aller Weihnachtsfreude dürfen wir nicht vergessen: Nicht allen Menschen auf der Welt geht es in diesen Tagen gut. Ich denke da nicht bloss an solche, die unter Krieg leiden wie etwa in Syrien. Auch jene Menschen fallen mir ein, denen ich jeweils im Sommer auf Kreta begegne, wenn ich dort bin als Tourist und Touristenseelsorger. Da ist zum Beispiel Lukas, ein Pensionierter, der als Sakristan unsere Kirche betreut. Er klagte mir, dass seine ohnehin kleine Pension in den letzten Jahren drei-vier Mal gekürzt wurde. Und jetzt wird ihm auch das Weihnachtsgeld gestrichen. Dazu eine Statistik für ganz Griechenland: Die Kaufkraft der Griechen ist in den letzten zwei Jahren um 50 Prozent gesunken.
Ein griechischer Politiker meinte vor einigen Tagen: «Alle, auch die Arbeits- und Obdachlosen, haben ein Recht zu feiern.» Er empfahl, sich auf die eigentliche, die «menschliche Botschaft» zu konzentrieren. Der Politiker hat Recht : Auch wenn es nicht viele oder gar keine Geschenke gibt: Das Wesentliche von Weihnachten bleibt. Dies zu akzeptieren, ist allerdings nicht immer leicht. Ein Kind meinte: «Geschenke sind an Weihnachten nicht das Wichtigste, aber das Schönste.»
Dem werden wohl auch viele Erwachsene zustimmen. Doch auch das Wesentliche, der Kern von Weihnachten, kann schön sein. Dazu eine griechische Journalistin: «Liebe, Solidarität, Fantasie und alternative Lösungen wären ein Ausweg, damit wir an diesen heiligen Tagen nicht in Depression verfallen.»
Auch wenn es den meisten von uns besser geht als den Griechen: Diese Worte einer Griechin können auch für uns ein weihnachtliches Programm bedeuten:Auch unsere Welt wird schöner, besser, menschlicher durch Liebe und Solidarität, um nur diese beiden Stichworte herauszugreifen. «»¢ Über die Liebe muss ich nicht viele Worte verlieren. Schon oft, vielleicht zu oft reden wir Prediger darüber. Oder wie ein Mitbruder von mir gespottet hat: Wenn uns nichts anderes mehr einfällt, predigen wir über die Liebe.»«¢ Doch wie steht es mit dem 2. Stichwort, der Solidarität? Vielleicht haben Sie es schon bemerkt: Solidarität ist für eine grosse patriotische Partei unseres Landes ein Schimpfwort. Sie vergisst, dass das, was mit «Solidarität» gemeint ist, am Anfang unserer Bundesverfassung steht: «Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.» Vielleicht können wir es anders ausdrücken: Es wird uns nur gut gehen, wenn es auch den andern gut geht.»
Damit sind wir mitten in der Botschaft des heutigen Geburtstagskindes: Wie ich schon in der Mette gezeigt habe, steht im Zentrum der Verkündigung Jesu nicht nur die Liebe, sondern ganz besonders auch die Barmherzigkeit. Er hat jene selig gepriesen, die ein erbarmendes Herz haben. Oder wie es der Dichter Friedrich Hebbel ausgedrückt hat: «Ein Herz hat nur, wer es für andere hat.»Die Botschaft der grenzenlosen Barmherzigkeit ist für uns das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk. Sie zeigt uns eindrücklich: Nehmen wir dankbar dieses Geschenk der grenzenlosen Barmherzigkeit an. Und schenken wir es unsern Mitmenschen weiter.(Schwarzenberg LU 10 Uhr)

25. Dezember 2012 | 01:00
von Walter Ludin
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