Eine «ungehorsame» Heilige
Vorwürfe eines ZimmermeistersEin Zimmermeister aus dem Berner Oberland macht mir wegen meiner Unterschrift unter die Pfarrei-Initiative heftige Vorwürfe. Als Ordensmann dürfe ich nicht «negativ zum Papst und zur Kirchenleitung stehen». Also gehorsam sein …Es trifft sich, dass wir heute in Luzern einen Vortrag der Klarissen-Äbtissin Ancilla Röttger hörten. Sie nimmt auch Bezug auf die bekannte Tatsache, dass Klara von Assisi dem Papst Widerstand leistete. Aus meinem Kipa-Bericht:
«Klara setzte sich dafür ein, dass ihre Klöster – im Gegensatz zu andern Gemeinschaften wie etwa jene der Benediktiner – keinen Besitz haben. Die Päpste weigerten sich, ihr dieses «Armuts-Privileg» zuzugestehen. Dazu Schwester Ancilla: «In ihrer Liebe zur Armut scheute sie keine Konflikte mit den kirchlichen Autoritäten.»
Und hier zum Thema ein exegetischer Beitrag von Meinrad Limbeck (Jg 1934). Er war an der Uni Tübingen Lehrer für Biblische Sprachen:
«Wo immer wir in unseren Übersetzungen der hebräischen Teile des Alten Testaments die Wörter ‘gehorchen/Gehorsam’ beziehungsweise ‘nicht gehorchen/Ungehorsm’ lesen, begegnen wir den Deutungen der einzelnen Übersetzer; denn im Urtext ist immer und jedes Mal nur vom Hören die Rede. Das aber bedeutet doch:Es sind die Übersetzer unserer Bibel, die bei uns … den Eindruck erwecken, als ob es in unserem Leben immer wieder und im Leben mit Gott vor allem um den Gehorsam gehen würde. Dabei will Gott nur eines von uns: dass wir hören. Nicht zufällig beginnt Israels Glaubensbekenntnis mit der Aufforderung: «Höre, Israel¨». Und es war gewiss auch kein Zufall, dass Jesus seine Mitmenschen zu keiner Zeit und an keiner Stelle zum Gehorsam aufforderte. Sein Ruf lautete vielmehr: ‘Wer Ohren hat zu hören, der höre!… Es ist ein grosser Unterschied, ob jemand auf einen anderen hört, oder ob er ihm gehorcht.»Meinrad Limbeck, «Abschied vom Opfertod», 2012 Grünewald, Ss 136-137
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