Walter Ludin

100. Geburtstag des Luciani-Papstes

«Bescheidenheit in Person»Von der Öffentlichkeit praktisch unbemerkt: Am 16. Oktober wäre Johannes Paul I., der «lächelnde Papst», 100-jährig geworden. Einzig im Luzerner Pfarreiblatt (kantonal) las ich eine Würdigung der Journalisten-Legende Victor Willi unter dem Titel «Bescheidenheit in Person».Und ich erinnere mich an eine Anekdote, welche Adalbert Deris, mein Kollege vom Bayerischen Rundfunk erzählt hat. Es war an einem Abend während der Bischofssynode. Deris stand vor der Synoden-Aula. (Dies durfte man damals noch. Später wurden wir Journalisten daran gehindert. Ich wurde sogar von der päpstlichen Gendarmerie weggeschleppt. Aber das ist eine andere Geschichte …). Als der Kollege mit umgehängtem Reportergerät da stand und auf den damaligen Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger wartete, stand ein völlig unbekannter Kardinal vor ihm. Was das für ein Apparat sei …. Als Deris sagte, er möchte Ratzinger interviewen, bedauerte der Kardinal lächelnd (!): «Tut mir Leid. Ich kann Ihnen nicht helfen.»Einige Wochen später stand der gleiche Kardinal als Johannes Paul I. auf der Loggia von San Pietro. Und Adalbert nahm sich vor, jeden Kardinal zu interviewen, der ihm vors Mikro käme. Man weiss ja nie …Übrigens: Als die Wahl Lucianis bekannt wurde, war ich in einer Luzerner Landpfarrei auf Aushilfe. Kurz vor der Abendmesse sahen wir im TV den schwarzen Rauch aufsteigen. Also würde frühestens am nächsten Tag ein Papst gewählt. Ich war am Verlesen des Evangeliums, als mir der Sakristan einen Zettel zuschob: «Albino Luciani zum Papst gewählt. Nimmt den Namen Johannes Paul I. an.»Ich war dreifach irritiert:-Es hatte ja schwarzen Rauch gegeben.-Obwohl ich mich intensiv mit den Papabili informiert hatte, kannte ich den Namen nicht.-Der Doppelname für einen Papst war höchst ungewöhnlich.Und ich erinnere mich an die Nachricht von seinem plötzlich Tod. Am frühen Morgen fuhr ich im Zug nach Bern. Die Leute, die in Konolfingen eingestiegen waren, erzählen etwas von einem Papst. Für ein protestantisches Gebiet eher ungewöhnlich. Am Bahnhof Bern begrüsste mich ein Freund, der für seinen schrägen Humor bekannt war mit der Meldung, der Papst sei tot. Ich sagte, ja, das weiss ich ja wohl seit zwei Monaten..

21. Oktober 2012 | 01:09
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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