Walter Ludin

Reform-Postulate als ...

….Erinnerungen an die AnfängeDie Dankesrede von Helmut Schüller anlässlich der Herbert Haag-Preisverleihung enthält zahlreiche Anregungen, die nicht zuletzt auch im Zusammenhang mit unserer Pfarrei-Initiative von Belang sind. Deshalb nochmals ein Abschnitt daraus, von mir unkommentiert…
Nicht die Frage interessiert, was aus der Welt wird, wenn sich die Kirche aus ihr zurückzieht, sondern die Frage: Was wird aus der Kirche, wenn sie sich auf die heutige Welt einlässt?Dementsprechend auch die Kirchenleitungsreaktionen auf die als Bedrohung erlebte Zeit: Dem Pfarrermangel soll durch Reklerikalisierung des Kirchenbetriebes und Pfarrgemeindefusionen begegnet werden, dem GottesdienstbesucherInnen-Schwund durch Gottesdienstkonzentration an Zentralorten und durch ein Zurück zur vorkonziliaren Gottesdienstsprache, dem Glaubenswissensschwund durch neue Katechismen alter Façon, dem Schwund an aufrechten kirchlichen Ehen mit dem Ausschluss Wiederverheirateter von den Sakramenten. Gerade jetzt dürfe sich die Kirche nicht verändern. Sie sei der letzte Wächter für bedrohte Dämme, die letzte Konstante in einer chaotischen Zeit. Das II. Vaticanum? Ein Betriebsunfall. Der kurzzeitige Ausfall der Schockeinfrierung nach der Reformation.Was aber, wenn die bedrohlichen «Zeichen der Zeit» in Wahrheit Erinnerungen an die Ursprünge sind? An die Überwindung der Gottesvolkklassen durch den Aufbau der Gemeinde aus den Getauften. An den Hervorgang der Dienstämter aus den Gemeinden und deren Gaben und Begabungen dafür. An das eucharistische Mahl als Feier der Gemeinde, die sich in den Dienst an den Menschengeschwistern hinein vor Ort fortsetzt. An das Aufbrechen der Sprache über Gott durch Jesus, sein riskantes Suchen nach neuen Bildern und Blickwinkeln in der Alltagserfahrung der Menschen. An seinen Verzicht auf die Verurteilung der Ehebrecherin zugunsten der Chance auf einen Neuanfang.Aber das alles macht offensichtlich Angst. Genauso wie das, was als vom Heute aufgedrängte «zeitgeistige Modeströmungen» empfunden wird: die Gleichstellung der Frau, die Mitbestimmung durch «Laien», die Vollendung der Ökumene der christlichen Kirchen am gemeinsamen Tisch des Herrn, der Dialog zwischen den Religionen zugunsten des Friedens in der Welt. Tragisch wiederum die Verkennung als «zeitgeistige, weltliche Modeströmungen», was in Wahrheit zum Kern der Botschaft des Biblisch-Christlichen gehört, aus der Kirche hinausgedrängt wurde und jetzt wieder an die Türen der Kirche klopft.

15. Oktober 2012 | 01:45
von Walter Ludin
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