Karl Rüde gestorben
Abschied von einem aussergewöhnlichen MenschenHeute feiern wir in der Pfarrkirche St. Martin in Olten um 10.30 Abschied vom berühmten Graphiker Karl Rüde. Er starb am Samstag im 98. Lebensjahr. Ein Dutzend Jahre durfte ich als Redaktor des ite, des Franziskuskalenders und des Missionskalenders freundschaftlich mit ihm zusammenarbeiten. Als er fast 90-jährig «in Pension» ging, schrieb ich ihm im ite diesen Offenen Brief:
Lieber Karl,Ein paar Monate, nachdem ich die Redaktion des ite übernommen hatte, gestand mir mein Vorgänger Beat Furrer: «Ich bin sehr überrascht, dass du mit Karl so gut zusammenarbeiten kannst. Ihr seid doch recht unterschiedliche Typen.»Tatsächlich war die Zusammenarbeit mit dir sehr angenehm. Ich schätzte deine offene Art und deine sehr hohe fachliche Kompetenz. Allerdings muss ich gestehen, dass du mich hie und da etwas geärgert hast. Nämlich dann, wenn ich ein «schönes» Bild zur Auswahl mitbrachte (vor allem ein selber fotografiertes) und da sagtest: «Unscharf! Sieht doch ein Blinder.» Jedoch hast du meistens das fragliche Bild zuerst zwei-drei Minuten schweigend durch die Lupe betrachtet …Es konnte auch selten einmal vorkommen, dass ich mich dennoch durchgesetzt habe, weil das von mir ausgewählte Bild meiner Meinung nach als einziges zum Artikel passte. Wenn dann die Nummer erschienen war, ärgerte ich mich noch mehr, weil das betreffende Bild tatsächlich keine Augenweide war.Und immer wenn ich jemandem verriet, dass du tief in den Achtzigern warst, stiess ich auf ungläubiges Staunen. Ein Mann in deinem Alter könne doch nicht mehr eine Zeitschrift so zeitgemäss gestalten ….Du hast nicht nur das ite (sowie den Franziskuskalender und den Missionskalender) fachlich gestaltet. Du hast immer auch mitgedacht, weil du unsere «Sache» innerlich mitgetragen hast. Dich als glaubenden Menschen zu erfahren, war für mich immer eindrücklich. Am eindrücklichsten aber erlebte ich deinen Glauben anlässlich der Beerdigung deiner lieben Frau Alice. Du hast dich für meine Teilnahme am Gottesdienst bedankt und geschrieben: «Auch Alice hat sich sicher gefreut.»Ich hatte damit gerechnet, dass du deinen 90. Geburtstag im Januar dieses Jahres als aktiver ite-Gestalter feiern könnest. Doch du hast dich entschlossen, dass das letzte Heft von 2004 dein letztes sein sollte. Im Brief, in dem du mir deinen Entschluss mitgeteilt hast, dankst du mir wie auch meinen Vorgängern Walbert Bühlmann und Beat Furrer und fügst hinzu: «Es war ein langer Weg. Es war aber auch eine segensreiche Zeit, die mir immer wieder viel Freude bereitet hat.»In DankbarkeitWalter Ludin
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