Wegwerf-Wahnsinn
Wenn Lebensmittel vernichtet werden(Aus einem Artikel im «Steinhofblatt»)Wie viele meiner Kollegen habe ich als Kind und Jugendlicher abends im Bett bis spät in die Nacht gelesen. Wenn der Vater merkte, dass in meinem Zimmer noch Licht brannte, kam der energische Befehl, es zu löschen. «Sparen» hiess die Devise. Dies wohl zu Recht. Denn wir hatten kein Geld zum Verschwenden.Heute würde in solchen Fällen wohl nicht an den eigenen Geldbeutel appelliert, sondern an die nationale Stromversorgung; im Klartext: an die Atomkraftwerke, die ja immer unbeliebter werden.Dazu etwas Theorie: An die Stelle der Individual-Ethik ist die Sozial-Ethik getreten. Es wird nicht mehr in erster Linie an die persönliche Moral appelliert. Erfreulicherweise hat man inzwischen immer deutlicher gemerkt, dass unser privates Verhalten direkte Konsequenzen für die Gesellschaft hat.»Aufessen»Damals und vielfach heute noch gibt es in den Familien ein anderes erzieherisches Problem: Kinder wollen den Tisch mit halbleeren Tellern verlassen. Allerdings hatten unsere Eltern mit uns nur selten solche Schwierigkeiten. Denn erstens kannten wir aus den bereits angetönten Gründen kaum Verschwendung. Und zweitens wussten auch wir Kinder, woher die Lebensmittel kommen. Zum Teil hatten wir sie buchstäblich im Schweisse unseres Angesichts selber geerntet.Wenn Kinder nicht aufessen wollen, so wurde erstaunlicherweise schon früher sozial-ethisch argumentiert. Man erinnerte an die Buben und Mädchen in Afrika, an die «N…lein», die froh wären, wenn sie etwas zu essen hätten.Wohl in den meisten Familien zog das Argument nicht. Denn auch die kleinsten Kinder wussten, dass man das, was sie nicht essen, nicht nach Afrika schicken kann.Verschwendung stoppenDies alles ging mir durch den Kopf, als ich kürzlich einen Bestseller las: «Die Essensvernichter. Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist» (von Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn). Innert kurzer Zeit erschien das Buch in dritter Auflage. Der Film zum Thema, «Taste the vaste», wurde in den Kinos und im Fernsehen von Millionen von Menschen gesehen.Offenbar merkt man immer deutlicher, dass die Verschwendung von Lebensmitteln ein Skandal ist. Nicht nur ältere Leute wie jene, die in Deutschland den Zweiten Weltkrieg erlebt haben und damals Hunger leiden mussten, sagen: «Es tut uns weh ums Herz, wenn wir sehen, dass Brot und andere Lebensmittel zerstört werden.» Auch jene, die an die Hungernden in der weiten Welt denken, wehren sich dagegen, dass so viele wertvolle, durchaus geniessbare Waren weggeschmissen werden. Eine ausführlichere Version dieses Artikels findet sich im Franziskuskalender; Volltext im Internet:http://www.kapuziner.ch/index.php?&na=5,3,0,0,d
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


